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Die Philosophie der Chemie : Vorlesungen, gehalten im Collège de France
Entstehung
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len Theorien für die Fakta aufstellen, und nicht That-sachen für zuvor aufgestellte Theorien suchen.

Von dem Gesichtspunkt der Methode aus mufs mandie Werke der Alten untersuchen, um zu begreifen,was sie philosophisches enthalten, und von diesem Ge-sichtspunkt aus betrachtet, ist ihr Studium nicht ohneInteresse, was zu Leweisen leicht sein wird, wenn wireinen Blick auf die Arbeiten der älteren Chemiker wer-fen, selbst derer, welche der Entstehung der Akade-mien vorangegangen sind, d. h. derjenigen, welche vor1650 oder um diese Zeit geschrieben haben.

Im Vergleich mit den Physikern, Mechanikern undGeometern erscheinen uns die Chemiker als die wahrenErfinder der Kunst zu experimentiren. Wenn sie dieletzten gewesen sind, welche sich Theorien bildeten, sokommt dies daher, weil ihr Streben viel schwierigerwar. Ohne Zweifel kann man gewissermafsen nur vongestern unsere ersten Versuche zu richtigen Theoriendatiren, und doch schreibt sich die Beobachtung che-mischer Erscheinungen, die Kunst, sie zu gewissenZwecken zu verbinden, und nach Willkühr wieder her-vorzurufen, von den frühesten Zeiten her. Darin liegtder Grund jenes Streites über den wahren Zeitraum,in welchen man die Entstehung der Chemie versetzenmüsse.

Darin liegt auch jener sonderbare Contrast, wel-chen man bei den Völkern des Alterthums zwischendem blühenden Zustande der industriellen Chemie unddem vollkommenen Mangel an aller Theorie dieser Wis-senschaft bemerkt; einem Contrast, welcher wohl einenähere Erörterung verdient; und aufserdem ein lebhaf-tes Licht auf die Entstehung der chemischen Methodewirft.

Wir leben nicht mehr in den Zeiten, wo besorgtvielleicht, ihre wahre Abkunft zu verhehlen, Borrichius