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Achte Vorlesung.
rinnt das Casei'n der Frauenmilch in feinen Flocken, das der Kuh-milch dagegen in groben Klumpen. Diese letzteren werden vonvielen Kindern schlecht vertragen. Durch Verdünnen der Kuhmilchmit Milchzuckerlösung wird die grobflockige Fällung verhütet. In-dessen sind auch die auf solche Weise künstlich feinflockig ge-machten Gerinnsel des Kuhcaseins immer noch dichter, derberund schwerer verdaulich als die des Frauencase'ins. Es scheint diesesmit dem grösseren Kalkgehalte der Kuhmilch und der geringerenAlkalescenz derselben zusammenhängen. Will man auch diesen Unter-schied beseitigen, so stösst man auf sehr grosse Schwierigkeiten, dieSoxhlet 1 ) eingehend dargelegt hat und die vorläufig in der Praxiswohl kaum zu überwinden sein dürften.
A priori dürften wir erwarten, dass man bei der künstlichenErnährung vielleicht weniger ungünstige Eesultate erzielen würde,wenn man statt der Kuhmilch die Milch derjenigen Thiere wählenwollte, welche der Menschenmilch ähnlicher zusammengesetzt ist.Ein Blick auf die obige Tabelle (S. 116) zeigt uns, dass wir vorAllem an die Stuten- und Eselsmilch denken müssten. Bisher aberliegen noch wenig praktische Erfahrungen vor.
3. Zu allen genannten Schwierigkeiten der künstlichen Ernäh-rung gesellt sich noch die Notwendigkeit des Sterilisirens. DieMilch ist ein ungein fruchtbarer Nährboden für Mikroorganismenaller Art, welche sich mit unglaublicher Geschwindigkeit darin ver-mehren. Frische Milch, welche bei Einlieferung ins Laboratorium9000 Bacterien im ccm enthielt, ergab eine Stunde später 31750, nach9 Stunden 120000, nach 24 Stunden 5600000 Keime im ccm. 2 )
Maly's Jahresbericht f. Thierchemie). „Zur Kenntniss des Caseins n. der Wir-kung des Labferments", üpsala 1877. Hoppe-Seyler's Zeitschr. Bd. 22. S. 103.1896. Alex. Schmidt, Beitr. z. Kenntniss der Milch. Dorpat 1874. M. O. Dr Saab,Melkstremmende werking van den maaginhoad bij jonge zuigelingen. Diss. Am-sterdam 1890. M. Arthüs et C. Pages, Arch. de Physiol. 1890^ p. 331 et 540.Mem. soc. biol. T. 43. p. 131. 1891. Zdzislaw Szydlowski, Prager med. Wochenscbr.1892. Nr. 32. Pages, Comptes rendus T. 118. p. 1291. 1894. E. Peters, DasLab und die labähnlichen Fermente. Gekrönte Preisschrift. Rostock 1894.M. Abthus, Archives de physiol. T. 26. p. 257. 1895. A. Edmunds, Journ. ofPhysiology. Vol. 19. Kr. 5 and 6. 1896. F. S. Locke, The journ. of experi-mental Medecine. Vol. II. Nr. 5. 1897.
1) F. Soxhlet, „Die ehem. Unterschiede zwischen Kuh- und Frauenmilchund die Mittel zu ihrer Ausgleichung". Vortrag, gehalten am 11. Januar 1893.Münch. med. Wochcnschr. 1893. Vergl. O. Heubner, Berliner klin. Wochenschr.Bd. 37. S. 841 u. 870. 1894.
l») Miquel, Journ. de Pharm, et de Chimie. T. 21. p. 565. 1890. Vgl.E. v. Freudenreich, Milchzeitung 1890. S. 33.