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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Siebente Vorlesung.

entzogen dem Körper 6 g Kochsalz und ausserdem noch 2 g Natron,weil die Kalisalze nicht blos mit dem Chlornatrium sich umsetzen,sondern auch mit anderen Natronverbindungen, mit Natronalbuminat,mit kohlensaurem, phosphorsaurem Natron.

Die Kalimenge, welche bei diesen Versuchen in den Körper ein-geführt wurde, war keineswegs eine sehr grosse; sie war weit geringerals die Kalimengen, welche mit den wichtigsten vegetabilischenNahrungsmitteln aufgenommen werden. Und dennoch waren damitdem Organismus 6 g Kochsalz entzogen worden. Das ist ungefähr dieHälfte des Kochsalzes, welches in den 5 Litern Blut eines Menschenenthalten ist, Dass die übrigeu Gewebe an diesem Verluste mitbe-theiligt waren, ist nicht zu bezweifeln. Zunächst aber wird wohl vor-herrschend das Blut davon betroffen, und ich denke mir, dass, wenndieser Verlust des Blutes durch eine verhältnissmässig geringe Ab-gabe der übrigen Gewebe gedeckt worden, eine erneute Kalizufuhrwiederum eine erneute Natronabgabe zur Folge haben müsste. Ver-suche dieser Art sind noch nicht ausgeführt worden. Es ist noch nichtfestgestellt, bis zu welcher Grenze der Organismus bei fortgesetzterKalizufuhr fortfährt Natron abzugeben. Es ist nicht zu bezweifeln,dass bald eine Grenze eintreten wird, wo der Körper das noch übrigeNatron mit Zähigkeit zurückhält.

Aber auch diejenigen Chlor- und Natronmengen, deren Abgabeich thatsächlich beobachtet habe, scheinen mir hinreichend, um dasBedürfniss nach Wiederersatz zu erklären, welches die Aufnahme kali-reicher Vegetabilien hervorbringt. Bei der wichtigen Bolle, welchedem Kochsalz im Organismus zukommt z. B. bei der Bildung derVerdauungssecrete, bei der Lösung der Globuline kann schon einegeringe Abnahme gewisse Functionen beeinträchtigen und das Be-dürfniss nach Deckung des Verlustes zur Folge haben.

Wie ich bereits hervorhob, war die Kalimenge, die ich bei meinenVersuchen aufnahm, keine sehr grosse: sie betrug 18 g. Ein Mensch,der sich vorherrschend von Kartoffeln nährt, nimmt im Laufe desTages bis 40 g Kali auf. Es erklärt sich daraus, warum die Kar-toffel uns ohne Salz ganz ungeniessbar erscheint und überall inder Welt nur mit stark gesalzenen Zuthaten genossen wird. Wie dieKartoffel, so sind auch alle anderen wichtigen vegetabilischen Nah-rungsmittel, die Cerealien, die Leguminosen, sehr reich an Kali, undes erklärt sich daraus die Thatsache, dass die hauptsächlich von Vege-tabilien lebende Landbevölkerung mehr Kochsalz verbraucht als dieviel animalische Nahrung consumirende Bevölkerung der Städte. FürFrankreich ist es statistisch festgestellt, dass die Landbevölkerung proKopf dreimal so viel Kochsalz consumirt als die Bevölkerung der Städte.