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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Sechste Vorlesung.

Nucle'insäure bezeichnet. Als Beispiel einer solchen Säure sei dieaus dem Nuclei'n der Eefe abgespaltene Nucle'insäure angeführt, fürwelche sich die Formel C 4 H 59 N 1(i 0 22 , 2P 2 0 5 berechnet. 1 )

In gewissen Zellen scheinen die Nucleinsäuren auch in freiemZustande vorzukommen. So hat Mieschee 2 ) für die von ihm aus demLachssperma dargestellte Nucle'insäure die Formel C, 0 H 54 N u 0 17 ,2 P 2 0 6 berechnet. Diese Säure ist in den Köpfen der Samenzellenan die organische Base Protamin (s. unten Vorles. 19) salzartig ge-bunden. Die Nucle'insäure bildet 60,7 % der Trockensubstanz in denKöpfen der Samenzellen, das Protamin 19,8 %.

Die wichtige Frage, ob die Nucleine unserer Gewebe aus denNuclei'nen der Nahrung entstehen, ob somit die Nucleine zu unserenunentbehrlichen Nahrungsstoffen gehören, oder ob die Nucleine inunserem Körper durch Synthese sich bilden, ist ebensowenig ent-schieden, wie die Frage nach der Entsehungsweise der Lecithine.Für die erstere Annahme scheint das Vorkommen der Nucleine inder Milch 3 ) zu sprechen. Für die andere Annahme spricht die ge-ringe Verdaulichkeit der Nucleine. In Hoppe-Seylek's Laboratoriumangestellte Versuche 4 ) ergaben, dass das Nuclei'n bei der künslichenPankreasverdauung ebensowenig angegriffen wird, wie bei der künst-lichen Magenverdauung. In den Fäces von Hunden Hess sich reich-lich Nuclei'n nachweisen. Eine quantitativ vergleichende Bestim-mung des Nucleins in der Nahrung und in den Fäces ist jedoch bis-her noch nicht ausgeführt worden. Deshalb wissen wir noch nicht,ob die Nucleine absolut unverdaulich sind, oder ob ein Theil resor-birt wird und wie gross dieser Theil ist.

Für die Entstehung der Nucleine sowohl als auch der Lecithinedurch Synthese im Thierkörper spricht die folgende Beobachtung,welche Mieschee, 5 ) am Rheinlachs angestellt hat. Die Lachse wan-dern alljährlich vom Meere aus stromaufwärts, um im Oberrhein zu

1) Altmann, 1. c. Miescher, Arch. f. exper. Pathol. u. Pharm. Bd. 37.8. 100. 1896.

2) F. Miescher, Arch. f. exper. Pathol. u. Pharm. Bd. 37. S. 100. 1876.

3) Das Nuclei'n wurde als Bestandtheil der Milch von Litbavin nachge-wiesen. Hoppe-Seyi.er's Med. ehem. Unt. Hft. 4. 8. 463. 1871. Ber. d. deutsch,ehem. Ges. Bd. 10. 8. 2237. 1877 und Bd. 12. S. 1021. 1879. Hammf.rsten zeigte,dass das Nuclein alsNucleoalbumin" in der Milch enthalten ist. Zeitschr. fürphysiol. Chem. Bd. 7. S. 227. 1883.

4) Bökay, Zeitschr. f. physiol. Chem. Bd. 1. S. 157. 1877.

5) Miescher,Statistische und biologische Beiträge zur Kenntniss vom Lebendes Bheinlachses." Separatabdruck aus der schweizerischen Literatursammlungzur internationalen Fischerei-Ausstellung in Berlin 1880. S. 183 und Archiv fürAnat. u. Physiol. 1881. Anatom. Abth. S. 193.