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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Vierte Vorlesung.

Die Nahrungsstoffe des Menschen. Begriff und Eintheilung der Nahrungs-stoffe. Die organischen Nahrungsstoffe: Eiweiss und Leim.

Unsere bisherigen Betrachtungen haben uns gezeigt, dass dieBestandteile unseres Körpers einem beständigen Kreislauf, einem un-unterbrochenen Wechsel unterworfen sind. Die Stoffe, welche wir inunseren Körper aufnehmen, um die in diesem Kreislauf beständig er-littenen Verluste wieder zu ersetzen, nennt man Nahrungsstoffe. Dasist die Definition des Begriffes Nahrungsstoff der wir noch heutzutagein den meisten Lehrbüchern begegnen. Diese Definition ist indesseneinseitig; sie erschöpft nicht den Begriff des Nahrungsstoffes; siestammt aus der Zeit vor der Entdeckung des Gesetzes von der Er-haltung der Kraft. Nach dieser Definition wäre das Wasser der wich-tigste Nahrungsstoff. Denn unser Körper besteht zu 63% aus Wasser,wir scheiden beständig durch Lungen, Haut und Nieren Wasser aus,und dieser Verlust kann nur durch Wiederaufnahme von aussen ge-deckt werden. Dennoch lehnt sich gegen diese Auffassung schon dieroheste Empirie, der gewöhnliche Volksinstinct auf. indem es dochNiemandem einfallen wird, das Wasser fürnahrhaft" zu erklären.Weshalb ist nun das Wasser nicht nahrhaft? Einfach aus dem Grunde,weil mit dem Wasser keine Spannkraft in den Körper eingeführt wird.Das Wasser ist eine gesättigte Verbindung; sie kann keine Bewegungerzeugen ebensowenig wie der Stein, der auf dem Boden ruht.Erst wenn durch den Verbrauch einer lebendigen Kraft der Steinvom Boden gehoben wurde, kann er fallen, und erst wenn durch denVerbrauch der lebendigen Kraft des Sonneulichtes die Sauerstoffatomevon den Wasserstoff- und Kohlenstoffatomen getrennt wurden, sindin der Pflanze die Spannkräfte aufgespeichert, aus welchen alle dieFormen der lebendigen Kraft hervorgehen, welche das unseren Sinnenerkennbare animalische Leben ausmachen.

Als Nahrungsstoffe werden wir also nicht blos diejenigen Stoffebezeichnen, welche einen Ersatz bieten für verlorene Körperbestand-

BtJNöE, Phys. Chemie. 4. Auflage. 4