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Lehrbuch der physiologischen und pathologischen Chemie : in 29 Vorlesungen für Ärzte und Studirende
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Dritte Vorlesung.

im Körper zerstörten Nahrung berechnete Wärmemenge und diethatsächlich im Calorimeter gefundene differirten in Rubner's Ver-suchen an Hunden nur um % bis 1 J / 2 ü /o

Wir sehen also, dass das Gesetz von der Erhaltung der Kraftauch auf dem Gebiete des animalischen Lebens volle Geltung hat.Unsere Körperwärme, unsere Bewegungen, alle unsere Lebensfunc-tionen, soweit sie unseren Sinnen erkennbar sind sie sind nurumgesetztes Sonnenlicht.

Es fragt sich nur noch: wie verhält sich das Seelenleben? UnsereSinnesempflndungen, Gefühle, Affecte, Triebe, Vorstellungen sindauch diese nur umgesetztes Sonnenlicht? Oder sollen wir annehmen,dass die Welt des inneren Sinnes dem grossen einheitlichen Gesetzesich nicht fügt, dem die gesammte Welt der äusseren Sinne mitgleicher, unerbittlicher Nothwendigkeit gehorcht?

Dass zwischen den psychischen Processen und gewissen mate-riellen Bewegungsvorgängen in unserem Körper ein Causalzusammen-hang besteht, ist nicht zu bezweifeln. Die Sinnesempfindung wirddurch einen Bewegungsvorgang im Nervensystem hervorgerufen. DieFolge des Willensinipulses ist eine Muskelcontraction. Es fragt sichnur: Welcher Art ist dieser Causalzusammenhang? Ist es wirklichein Causalzusammenhang der Art, wie das Gesetz der Krafterhaltungihn fordert, dass zwischen Ursache und Wirkung Proportionalität,Aequivalenz statt hat, oder giebt es noch andere Arten des Causal-zusammenhanges ?

Wir müssen vor Allem scharf unterscheiden zwischen der Ursacheim engeren Sinne und der Veranlassung. Für das Verständniss physio-logischer Vorgänge ist diese Unterscheidung von der grössten Wich-tigkeit, Deshalb sei es mir gestattet ein paar Beispiele anzuführen.

Die Durchschneidung eines Fadens, an dem ein Gewicht aufge-hängt ist, bezeichnet der gewöhnliche Sprachgebrauch als die Ursachedes Fallens. Die eigentliche Ursache aber ist die beim Heben desGewichtes geleistete Arbeit. Diese ist der lebendigen Kraft des fallen-den Gewichtes proportional. Ist die Hebung durch Muskelkraft be-wirkt, so stammt diese aus chemischen Spannkräften der Nahrung,die im Pflanzenleben aus der lebendigen Kraft des Sonnenlichteshervorgingen. Schlägt das fallende Gewicht auf den Boden, sokommt das Sonnenlicht als Wärme wieder zum Vorschein. Allediese Kräfte: die lebendige Kraft des Sonnenlichtes, die chemischeSpannkraft der Nahrung, die lebendige Kraft der Muskelbewegung,die Spannkraft des gehobenen, die lebendige Kraft des fallendenGewichtes und die Wärme, die bei der Umsetzung von Massen-bewegung in atomistische Bewegung entsteht, sie stehen im Ver-

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