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Neunte Vorlesung.
Substitutionstheorie, die sich der Äquivalente bedienten, trotzmancher Fehler und Irrtümer doch immer das Bestreben hatten,die Begriffe voneinander zu trennen und jeden in seiner Weisekonsequent zu verfolgen, könnte man fast das Gegenteil vonihren Widersachern behaupten. Man wußte, daß 1 ÄquivalentTonerde, Al 2 O g , dreimal so viel Schwefelsäure zur Sättigungbraucht als 1 Äquivalent Kali, KO, man wußte, daß 1 Äqui-valent Phosphorsäure, P 2 0 ä , drei- (eigentlich zwei-) mal mehrBasis zur Bildung eines Neutralsalzes bedarf als 1 ÄquivalentSalzsäure, und doch ließ man sich nicht beirren, für diese Quan-titäten den Ausdruck „Äquivalente" zu gebrauchen.
Gerade weil unsere heutige Chemie wesentlich auf demUnterschied der Begriffe Atom und Äquivalent basiert, muß auchalles, was zu einer solchen Trennung führen konnte, doppeltbetont werden, und ich wollte Sie darauf hinweisen, daß in dendreißiger Jahren durch die Substitutionserscheinungen ein neuesMittel zur Äquivalentbestimmung gegeben war, worin also inBeziehung auf die uns jetzt speziell interessierende Frage einFortschritt lag. Allein auch von anderer Seite ward gezeigt, daßdie Atome zusammengesetzter Körper nicht äquivalent sein müssen;entscheidende Gründe wurden geltend gemacht, um die Unter-schiede hervorzuheben, welche in dieser Hinsicht eine der best-untersuchten Klassen von Verbindungen, die Säuren besitzen.Die hierher gehörigen Versuche fallen der Zeit nach früher alsdie Aufstellung der Typentheorie durch Dumas, die nächsteEntwicklungsstufe der Substitutionserscheinungen, und ich glaubeschon deshalb sie vorher behandeln zu sollen. Wenn auch beideGebiete damals weit getrennt schienen, so ist doch eine Beein-flussung nicht nur denkbar, sie läßt sich sogar nachweisen, und esdarf deshalb die chronologische Ordnung nicht aus dem Augeverloren werden.
Selten waren zu einem großen Erfolge so wenige Arbeitennötig wie zur Aufstellung der Theorie mehrbasischer Säuren.Gleich elegant und bestimmt sind Versuch und Idee, welcheder experimentellen Wissenschaft dieses weite Feld der Forschungöffneten und der Theorie so neue und sichere Anhaltspunkte