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Dritte Vorlesung.
los, da darin die Affinität als etwas Konstantes, von den physi-kalischen Bedingungen Unahhänges angenommen wird. 2. Es gibtVerbindungen in wechselnden, stetig zunehmenden Verhältnissender Bestandteile.
Der erste Satz wird allgemein angenommen, und wir sehenbald nach dem Erscheinen der Berthollet'schen „Statiquechimique" die Verwandtschaftstabellen verschwinden. Der zweitedagegen findet lebhaften Widerspruch, namentlich erhebt sichProust, ein Landsmann Berthollet's, gegen die darin aus-gesprochenen Ansichten. So entspinnt sich jener berühmte Streitbeider Gelehrten, der sich sowohl durch den Geist, den dieGegner entfalten, als auch durch die elegante Höflichkeit, die vonbeiden Seiten beobachtet wird, auszeichnet.
Berthollet stand damals in einem sehr großen Ansehen beider wissenschaftlichen Welt. Mit Recht bewunderte man seinenScharfsinn, den er gerade bei der Ausarbeitung seines Buches inhohem Maße bewiesen hatte. So ist denn begreiflich, daß eskeine geringe Aufgabe war, Ansichten, die er mit großer Sicher-heit ausgesprochen und durch Versuche zu beweisen gesucht hatte,anzugreifen. Übrigens will ich schon hier bemerken, daß geradeder experimentelle Teil der „Statique chimique" Vieles zu wünschenübrig läßt. Wenn Berthollet behauptet, daß sich bei der Ver-kalkung, bei der Oxydation der Metalle, Sauerstoff Verbindungenin sehr veränderlichen Verhältnissen bilden, so liegt dies daran,daß er das Rohprodukt direkt analysierte und sich nicht zuerst zuüberzeugen suchte, daß er es mit keinem Gemenge zu tun habe,was meist der Fall war. Bedenkt man außerdem die niedrige Stufe,auf welcher damals die quantitative Analyse stand, so begreift manerst, wie Berthollet zu diesen irrigen Resultaten gekommen ist.
Proust dagegen verfuhr sehr vorsichtig; er suchte, ehe ereine Analyse ausführte, Kriterien für die Reinheit seines Körpersund verwandte auf die Bestimmung der Bestandteile die größteSorgfalt. So gelang es ihm, die Hydrate der Oxyde zu finden,die bisher ganz übersehen 23 ) und als Oxyde mit besonderem
a ) Ann de Chim. XXXII, 41; Journ. de Phys. LIX, 347.