117 —
haben wir es nur mit der Untersuchung zu thun: ob ihm auchdas zweite Erforderniss, die Erkennbarkeit, könne zugestandenwerden. In dem belebten Menschenleibe sind vier Ilaupi-stücke zu betrachten; diese sind: das Leben, die künstlicheKörpermaschine, die Materie, woraus er bestehet und die sichin ihm erzeugt, und endlich sein Verbällniss zum All derNatur.
Dass das Leben etwas Wirkliches sei, glauben wir insofern wir uns bewusst sind, dass wir leben. Was das Lebenaber sei, wissen wir nicht. Weil wir das nun nicht wissen, soliegt auch des Lebens qualitatives und quantitatives Verbäll-niss ausserhalb der Grenzen des menschlichen Wissens.
[Jeher die Eigenschaften eines ganz unbekannten Dingeszu urtheilen, wird wol so leicht keinem einfallen; aber überdie Quantität desselben zu urtheilen, dieser Irrung könnte mansich eher schuldig machen, indem man aus den mehr oderminder stark in die Sinne fallenden Lebensäusserungen auf einquantitativ stärkeres und schwächeres Leben schlösse. Dassdieses aber ein Trugschluss sei, und dass das, was der Ver-stand uns sagt, sich vollkommen in der Erfahrung bestätige,lässt sich, mit Uebergelien aller hierhin gehörigen Beobach-tungen, durch die einzige, von den Aerzlcn allgemein als wahrangenommene Erfahrung beweisen, dass wir nicht einmahlwissen können, ob in einem angeblichen Leichname das Le-ben erloschen, oder ob es noch darin vorhanden sei, bis dasErste durch die Fäulniss uns gewiss wird.
Der Lebenskraft wird gar oft von den Aerzten erwähnt-in jüngeren Jahren habe ich auch davon gesprochen, seil ichaber älter geworden, und Zeit gewonnen, selbst darüber nach-zusinnen, scheint sie mir wirklich eine Undenklichkeit. Jenesunbekannte Etwas, welches sich nur einzig unter der bekann-ten Form der Lebensäusserung unsern Sinnen offenbaret, vondem aber die Erfahrung im Allgemeinen gelehrt hat, dass essowol im ausgebildeten thierischen Körper, als im befruchtetennicht gebrütelen Ei vorhanden sein könne, ohne sich unserenSinnen zu offenbaren (welches Vorhandensein aber in demEinzelfalle nur durch den glückenden Versuch dar zu thun ist);jenes unbekannte Etwas ist doch dem gewöhnlichen Verslandes-