144 III. Vegetative Vermehrung und Portpflanzung der Gewächse.
teiligen Einfluls des Regens, und so müssen in den Blüten Schutz-mittel vorhanden sein, welche den Blütenstaub namentlich zur Zeitseiner Reife vor den nachteiligen Einwirkungen der atmosphärischenNiederschläge bewahren. Solche Schutzmittel stellen sich uns z. B-dar in dem grofsen Hochblatt, welches die Blüte von Aron um schliefst,forner in den Blumenblättern von Trollius, welche die Antheren wieeine Kapsel umgeben, in den die Antheren überdachenden Kronen-blättern von Corydalis, Linaria, Antirrhinum etc., oder in dem durchdie beiden Blätter des Schiffchens der Papilionaceen gebildeten Hohl-räume, sowie weiter in den Narbenlappen der Irisarten, unter denensich die Antheren befinden.
Auch die früher besprochenen Schliefsbewegungen der Hüllkelch-blätter von Carlina acaulis bei regnerischem "Wetter und jene Schliefs-bewegungen, welche viele Kronenblätter bei sinkender Temperaturoder eintretender Dunkelheit ausführen, dienen zum Schutz desPollens.
Bei Impatiens noli tangere begegnen wir der eigentümlichen Er-scheinung, dafs die zarten Blüten unter den Spreiten der Laubblätterliegen. Diese letzteren wirken hier wie Regenschirme und schützendie Blüten vor Benetzung.
Wenn die Pollenkörner zur Reife gelangt sind, so werden siedurch Aufspringen der Antheren frei.
Gewöhnlich bildet sich dabei eine Längsspalte an den Flankender Antheren, d. h. an der Grenze von je zwei Pollensäcken jederSeite derselben. In einigen Fällen, z. B. bei den Ericaceen, öffnen sichdie Antheren dadurch, dafs an der Spitze joder Antheren half te einLoch entsteht. Auf das fernere Schicksal der Pollenmassen kommenwir weiter unten zurück.
Als weibliche Geschlechtsorgane kommen die Fruchtblätter inBetracht, welche zu einem oder zu mehreren Fruchtknoten vereinigtsind. Bald ist der Fruchtknoten unterständig, bald mittelständig, baldoberständig, Verhältnisse, auf die wir hier natürlich nicht näher ein-gehen. Der eigentliche Fruchtknoten enthält in seinem Innern eineHöhlung und setzt sich nach oben in den Griffel fort, welcher dieNarbe trägt. Im Innern der Fruchtknotenhöhlung sitzen in mannig-faltiger Anordnung die Samenknospen. (Vergl. Fig. 49.) Dieselbenbestehen aus einem Stiel (Funiculus), aus den Hüllen (Integumonten)und dem Knospenkern. Eine Zelle desselben ist sehr grofs und wird