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Anleitung zur Ausmittelung der Gifte und zur Erkennung der Blutflecken bei gerichtlich-chemischen Untersuchungen
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Untersuchung auf Alkaloide etc.

noch von dem Gifte in einer Flasche gefunden. Das Gift war gewalt-sam eingegossen worden. In der Affaire Jahn (Anhalt-Dessau) wurdenehenfalls, wenn ich nicht irre, Ueberreste des Coniins in einer Flascheaufgefunden. Auch die ohen erwähnte Vergiftung durch Tinctura Col-chici war schon vor der chemischen Untersuchung so gut wie zweifelloserwiesen; hei dem Versuche der Vergiftung mit Krähenaugen wurdenUeberreste des Pulvers gefunden und Körnchen des Pulvers in derSpeise erkannt. Kommen Vergiftungen durch Verwechselungen vor,so fehlt es an Fingerzeigen dafür nicht, und meistens ist noch vondem Gifte vorhanden, oder es wird in Substanz in dem Magen u. s. w.angetroffen. Hierher gehören z. B. die Verwechselungen des Schier-lings (Coiiinw maculatum) mit Petersilie, des Bilsenkrautsamens (SemenHjfOScyami) mit Petersiliensamen, der Wurzel des Wasserschierlings(Cicuta virosa) mit Selleriewurzel, der Beeren der Tollkirsche (AtropaBelladonna) mit unschuldigen Beeren. Doch kommen auch Fälle vor,wo es an jedem Fingerzeige fehlt. In solchen Füllen ist die Aufgabedes Gerichtschemikers eine höchst schwierige und oft nicht zu lösende.

Die aus Vorstehendem sich ergehenden Schwierigkeiten, welchedem Fxperten hei Untersuchungen auf Alkaloide entgegentreten, wer-den in nicht zu unterschätzendem Grade noch dadurch erhöht, dassbei der Fäulniss von Leichentheilen, vermuthlich durch Zersetzungvon Eiweissstoffen, Stoffe Leichen alkaloide, Ptoma'ine entstehen,welche, da sie in ihrem chemischen und physiologischen Verhalten einegrosse Aehulichkeit mit einigen Alkaloiden zeigen, leicht damit ver-wechselt werden können und auch mehrfach damit verwechselt wordensind, zumal man im üblichen Gange der Untersuchung auf dieseFäulnissstoffe nicht selten an demselben Orte stösst, wo eventuell die-jenigen l'tlanzenhasen, denen sie ähnlich sind, gefunden werden.

Falls zwischen der Vergiftung und dem eingetretenen Tode nurein geringer Zeitraum liegt, so hat man das Gift begreiflich nament-lich im Magen und dessen Inhalte zu suchen. Ist zwischen der Ein-führung des Giftes und dem Tode lungere Zeit verstrichen, so müssenauch der Darm nebst Inhalt, sowie das Blut, bisweilen sogar lieber.Nieren, Milz und Harn zur Untersuchung herangezogen werden. InMassen, welche stark in Fäulniss übergegangen sind, wird sich dieMehrzahl der Alkaloide wegen ihrer leichten Zersetzbarkeit kaum mein-nachweisen lassen. Einige Pflanzenbasen, unter diesen z. B. Strychnin,sind jedoch durch eine grosse Beständigkeil gegenüber den Einflüssender Fäulniss ausgezeichnet; ihr Nachweis wird also nicht in deinMaasse, wie der jener, von dem Grade der Zersetzung abhängig sein,in welchem sich die Untersuchungsobjecte befinden.

Die Abscheidung des Giftes in möglichst reinem Zustande ist. wieoben angedeutet, die Aufgabe, welche die Chemie in unserem fallezunächst zu lösen hat, dann muss, wenn irgend möglich, ermitteltWerden, welches (iil't vorliegt.