Druckschrift 
Handbuch der Balneotherapie : practischer Leitfaden bei Verordnung der Mineralquellen, Molken, Seebäder, climatischen Kurorte &c.
Entstehung
Seite
380
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

380

Krankheiten des Digestionsapparats.

rem Grade vorhanden und mit der Zunahme der Fettmenge scheintdie Muskelkraft beeinträchtigt zu werden. Solche Personen verlie-ren die Lust zur Arbeit oder können keine grossen Anstrengungenaushalten, die Muskeln werden schlaft' und atrophisch.

Bei der Untersuchung findet man die Lebergegend gespannt, dieLeber unter dem Rippenrande hervorragend, oft beim Druck etwasempfindlich.

In allen diesen Formen leisten die alcalischen Mineralwässer,ihrer schmelzenden Eigenschaften wegen, treffliche Dienste undobenan stehen die Thermen von Karlsbad, deren hoher Tem-peraturgrad besonders zur Erregung der gesunkenen Nerventhütig-keit und der tief darniederliegenden Functionen der drüsigen Appa-rate beiträgt und dies zur Absonderung normaler Secretionen anregt.Zumal bei sehr torpiden Constitutionen, wie sie in diesen Fällen vor-herrschend zu sein pflegen, sind sie ganz an ihrem Orte. Die sali-nischeu Bestandteile, zumal das schwefelsaure Natron, vermehrendie peristaltische Bewegung des Darmkanals, begünstigen die Ent-leerung angehäufter Massen und stellen die Circulation des Bluts inden Unterleibsorganen wieder her, das kohlensaure Natron regteines Theils speciell die Thätigkeit der Leber an und bewirkt einenormale Gallenbereitung, andererseits steigert es die Urinseeretionund scheidet die überflüssige Harnsäure aus.

Karlsbad, im Ellbogener Kreise des Königreichs Böhmen, ineinem engen Thale der Tepel gelegen, da wo sich diese in die Kgerergiesst, ist schon seit dem 14. Jahrhundert durch seine heilkräftigenWirkungen berühmt. Das Wasser kommt aus Oeffnungen eines Kalk-steins hervor, in welche man künstliche Leitungen eingesetzt hat,durch die es vermöge des Drucks der nachfolgenden Masse in dieHohe gel rieben wird. Dieser Kalkstein ist von dem Wasser selbstgebildet, indem es überall, wohin es Siegst, in dem Maasse als die,Kohlensäure entweicht, einen Sinter von fester, crystallinischer Tex-tur absetzt. Diese Kalkrinde wurde in den Jahren 1713 und 1727von dem nachdrängenden Wasser zersprengt und das heisse Wasserergoss sieh unmittelbar in den Tepellluss. Um die Ursache dieserVeränderung zu erforschen und ähnliche Ausbrüche zu verhindern,wurde damals der Kalkstein durchbrochen, aber schon nach Durch-bohrung der äussersien Rinde drang das heisse Wasser mit Gewalthervor und es landen sich nun mehrere grossere und kleinere mitdemselben angefüllte Höhlungen, welchen eine andere Kalkrinde zurUnterlage diente. Auch diese wurde durchbrochen und nun stiess