Druckschrift 
Handbuch der Balneotherapie : practischer Leitfaden bei Verordnung der Mineralquellen, Molken, Seebäder, climatischen Kurorte &c.
Entstehung
Seite
203
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

Bleiintoxication.

203

von functionellen Störungen, deren Gesammtbild unter dein NamenBleivergiftung zusammengefasst wird. Diese krankhaften Zu-stande sind: die Bleicolik, die Epilepsia, Amaurosis, Arthralgie undParalysis snturniiia. Gleichzeitig sind die Symptome der allgemei-nen Vergiftung vorhanden: Anaemisehe Erscheinungen, blassgelberTeint, bleiche, erdfahle Farbe der Haut, schwacher und trägerHerz- und Arterienpuls, ödematöse Anschwellungen und gesunkeneReproduetion.

Gegen die Arthralgie, nach der Colik die häufigste Affection,welche sich durch lebhafte Schmerzen in den Gliedern, hauptsächlichin den Extremitäten, ohne Geschwulst und Röthe characterisirt, dieanf;ills\veise heftiger werden und am häufigsten die lieugeseite be-tauen, werden die Schwefelbäder mit Nutzen angewandt.

Mit gleich günstigem Erfolge verordnet man sie in der Blei-lähmung, die entweder für sich allein oder mit <\cr Colik undArthralgie verbunden, zur Beobachtung kommt. Sie entwickelt sichmeist langsam, nachdem ein Gefühl von Schwäche, Erstarrung, Pn-beholfenheit un<\ Ermüdung vorangegangen, in diesem Prodromal-stadium gelingt die Heilung schneller. Eine günstige Prognose darfaueli bei beschränktem Sitz des Leidens, massigem Grade der Atro-phie, jugendlichem Alter und kräftiger Constitution gestellt werden.

In Warm hrunn sah Preiss mehrere sehr schöne Heilun-gen. Ein Töpfermeister von 45 Jahren,, der seit 5 Jahren 9 mal anheftiger Bleicolik gelitten, wurde im Jahre 1838 von Lähmung der Ex-tensoren der unteren Extremitäten befallen, so dass er sich der Krüc-ken bedienen musste. Im Jahre 1840 wurde er durch die Bader inWarmbrunn vollkommen hergestellt. Da er nun von neuem der al-ten Beschäftigung nachging, so stellte sich ein Kecidiv ein und sokam er in einem elenden Zustande im Jahre 1841 wiederum nachWarmbrunn. Er klagte über einen heftigen, anhaltenden, zusammen-schnürenden Schmerz in der Nabelgegend, war hartnäckig, oft 6 bis8 Tage verstopft, hatte die heftigsten Schmerzen in den unteren Ex-tremitäten, dabei eine lähmungsartige Schwäche der Hände und Füsse,der rechten Seite und starkes Zittern der rechten Hand. Der innereund äussere Gebrauch der Thermen befreite ihn abermals von allenZufällen.