Ueber Brunnenkuren im Allgemeinen.
Nequti vero satis est, ad ea, qua« ftieto opus sunt, pvaestoesse, sed <'t aegrum, et cos, qui praesentes sunt et res cxternasad itl probe comprobatos esse oportet.
Hippocratis: Ap hör i smus I.
W enn es überhaupt zu den Eigenschaften eines guten praktischenArztes gehört, nicht nur die ihm vorliegende Krankheit richtig zudiagiiostieiren und das zur Beseitigung des Uebels geeignetste Mit-tel auszuwählen, sondern auch ausserdem mit dem eigentümlichenScharfsinn begabt zu sein, jenes Mittel in der Dosis, Form und un-ter den Gautelen zu reichen, wie es den individuellen Umständen amentsprechendsten ist, so scheint dies noch um so mehr nöthig beider Verordnung eines Mineralwassers, eines so tief in den Organis-mus eingreifenden Heilagens. Brunnenkuren werden daher unterder Leitung eines gediegenen und umsichtigen Praktikers den un-schätzbaren Werth erlangen, der sie berechtigt, die erste Stelle un-ter allen Mitteln der gesammten Materia medica einzunehmen.
Leider sind aber die wenigsten Aerzte mit den therapeutischenWirkungen der Mineralwässer so vertraut, dass sie die für jedeKrankheit und jede Constitution geeignete Quelle ausfindig zu ma-chen im Stande wären, und die meisten begehen den Fehler, dieErfolge von der jedem einzelnen Bestand!heile eigentümlichen Wir-kungsweise, herzuleiten. Doch ist bei keinem anderen Arzneimitteleint reine und von allen Speculationen über die Art der Wirkungfreie Beobachtung so uothwendig, als bei den Mineralwassern. Hiervermag, nur die Erfahrung allein über die Art und Weise der Wir-kung Aufschluss zu geben und Quellen, deren Wirkung durch dieErfahrung nicht näher geprüft und festgestellt ist, sollten gar nichtempfohlen werden.
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