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2 (1892)
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373
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Oleum Teivbinthinae reotifioatum. 373

Oleum Terebinthinae rectiflcatuui.

Gereinigtes Terpentinöl; Rectificirtes Terpentinöl.

1 Theil Terpentinöl wird mit 6 Theilen Kalkwasser durchgeschütteltund der Destillation unterworfen, bis ungefähr drei Viertel des Oelesübergegangen sind. Dieses Destillat wird klar abgehoben.

Gereinigtes Terpentinöl muss farblos sein und darf, in Weingeistgelöst, mit Wasser befeuchtetes Lackmuspapier nicht verändern. — DasOel gelangt bei 160° zum Sieden. Spez. Gew. 0,855 bis 0,865.

Geschichtliches. Terpentinöl scheint schon von den alten Griechen und Römerngebraucht worden zu sein. Im Mittelalter, nach der Entdeckung der Spiritusfabrikation,bezeichnete man das Terpentinöl mit Spiritus Terebinthinae. Erst im Jahre 1818 unterwarf esHouton-Labillardiere einer Analyse und wurde es von diesem Chemiker als einKohlenwasserstoff erkannt. Den künstlichen Kampher, die Verbindung dieses Kohlen-wasserstoffs mit Chlorwasserstoff, hatte bereits 1803 der Apotheker Kindt in Eutinhergestellt.

Die eingehendere Erforschung der Verbindungen und Umwandlungsprodukte desPinens, die Aufklärung seiner Beziehungen zu den anderen Terpenen, sowie die Er-mittlung der chemischen Constitution verdanken wir den klassischen Untersuchungen0. Wallach's.

Herkommen und Handelssorten. Für den pharmazeutischen Gebrauch kommenfast ausschliesslich das amerikanische und das französische Terpentinöl in Betracht.

Das amerikanische Terpentinöl (auch englisches T. genannt, weil esmeist über England nach Europa kommt), wird hauptsächlich aus dem Terpentin vonl'itius Taeda L. {Loblolly Pine) und von Pinus austraiis Michx (Pitch oder Yellow Pine)im östlichen Theilo von Nord-Amerika, von Florida bis Nordcarolina, gewonnen.(Vgl. American Journal of Pharmacie 62, 285 und 393.)

Die, 15—20 Barrels haltende, kupferne Destillations-Blase steht auf einem ge-mauerten Herde und ist mit einer in einem Wasserfass befindlichen Kühlschlange ver-bunden Die mit Terpentin und Wasser gefüllte Blase wird durch direktes Feuer ge-heizt. Während des Destillirens wird von Zeit zu Zeit Wasser zugesetzt, bis dieDestillation beendet ist. 5 Barrels Roh-Terpentin geben auf diese Weise 1 BarrelTerpentinöl.

Amerikanisches Terpentinöl dreht die Ebene dos polarisirten Lichts nach rechts undsiedet zwischen 156 und 170°. Das spez. Gew. schwankt zwischen 0,85 und 0,876.

2. Französisches Terpentinöl ist das Produkt der Destillation des Terpentinsvon Pinus Pinaster Soland mit Wasser. Die Strandkiefer (Pin maritime oder Pia deBordeaux) bildet zwischen Bordeaux undBayonne ausgedehnte Waldungen und -wirdin ausgiebigster Weise zur Terpentingewinnung benützt. Das französische Terpentinölbesitzt im Vorgleich mit dem amerikanischen Oele einen entschieden feineren und an-genehmeren, etwas an Wacholder erinnernden Geruch. Es unterscheidet sich von demamerikanischen Terpentinöl hauptsächlich dadurch, dass es den polarisirten Lichtstrahlnach links ablenkt. In Bezug auf spez. Gew. und Siedetemperatur bestehen bemerkens-werthe Verschiedenheiten nicht.

3. Das österreichische Terpentinöl von Pinus Larivio Poir, in Nieder-Oesterreich gewonnen, ist link sdrehend, in seinen sonstigen Eigenschaften den beidenvorhergonannten Oelon ähnlich.

4. Deutsches Terpentinöl (auch polnisches Kienöl, russisches Terpen-tinöl genannt) von Pinus silvestris L., kommt aus Deutsch- und Russisch-Polen.Es besitzt einen unangenehmen, empyreumatischen Geruch und wird vermuthlich durchDestillation des Terpentins ohne Wasserzusatz gewonnen. Als das billigste allerTerpentinöle wird es zur Herstellung der ordinären Lacke und Firnisse verwendet.Spez. Gew. ca. 0,865. — Rechtsdrehend. Enthält neben Pinen noch Sylvestren.(Siedepunkt 175°) und Dipenten (Siedepunkt 176°).

5. Schwedisches Terpentinöl. Ebenfalls von Pinus silvestris L. hat denselbenbrenzlichen Geruch wie das vorige. Ist ausgezeichnet durch seinen hohen Sylvestren-