Druckschrift 
2 (1892)
Entstehung
Seite
163
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

- fraän*-

Keratin um. jqc

Keratinum.

Hornstoff.

10 Theile geschabte Federspulen werden mit einer Mischungaus 50 Theilen Aether und 50 Theilen Weingeist in einem ge-schlossenen Kolben 8 Tage lang unter öfterem Umschütteln ausgezogen,nach dem Abgiessen der Flüssigkeit mit lauem Wasser gut ausgewaschen,dann mit einer Lösung von 1 Theile Pepsin und 5 Theilen Salzsäurein 1000 Theilen Wasser 1 Tag lang bei etwa 40° unter häufigem Be-wegen in Berührung gelassen, abermals gut ausgewaschen und nach demTrocknen mit 100 Theilen Essigsäure 30 Stunden lang im Kolben mitRückflusskühler gekocht, worauf man vom ungelösten Theile durch Glas-wolle abfiltrirt, das Filtrat in einer Porzellanschale zur Sirupdicke ein-dampft und den Rückstand, auf Glasplatten gestrichen, zur Trockne ver-dunstet.

Bräunlichgelbes Pulver oder ebenso gefärbte, durchscheinendeBlättchenohne Geruch und Geschmack, beim Erhitzen unter Verbreitung des Geruchesnach verbranntem Hörn eine schwierig veraschbare Kohle gebend, in dengewöhnlichen Lösungsmitteln und verdünnten Säuren unlöslich, dagegenlöslich in konzentrirter Essigsäure, Alkalien und Ammoniakflüssigkeit.

Hornstoff darf weder an Wasser, Weingeist, Aether und verdünnteSäuren, noch an, mit Salzsäure angesäuerte wässerige Pepsinlösung etwasabgeben. 100 Theile desselben dürfen beim Veraschen nicht mehr als1 Theil, 24 Stunden lang mit 15 Theilen Essigsäure oder Ammoniak-flüssigkeit bei 3540° hingestellt, nicht mehr als 3 Theile Rückstandhinterlassen.

Geschichtliches. Die Aufnahme des Keratins in den Arzneischatz erfolgte mitRücksicht auf die Herstellung der sog.keratinirten Pillen", welche 1883 von Unnaund Beiersdorf in den Arzneischatz eingeführt wurden.

Allgemeines. Die oberste Schicht der thierischen Haut besteht aus Zellenplatten,welche sich von den tieferliegenden Zellen der Epidermis sehr wesentlich unterscheiden.Dieselben sind aus den tieferliegenden Epidermiszellen durch eine chemische Metamor-phose entstanden, welche man mit dem NamenVerhornung" bezeichnet, die übrigensnicht etwa auf blosse Wasserabspaltung zurückzuführen ist. Diese oberste Hautschichtfasst man mit gewissen, ihr morphologisch und chemisch nahestehenden Gebilden, wieNägel, Klauen, Hufe, Haare, Federn, Stacheln, Hörner, Schildpatt, unterdem NamenHorngewebe" zusammen, an welches sich chemisch auch das Fisch-bein anschliesst.

Behandelt man diese Horngebilde in feingepulvertem Zustande hintereinander mitgeeigneten Lösungsmitteln, z. B. mit siedendem Wasser, Alkohol, Aether, verdünntenSäuren, so hinterbleibt ein in diesen Lösungsmitteln unlöslicher Rückstand, welcherKeratin oder Hornstoff genannt wird. Das reinste Produkt, ein weisses, fast asche-freies Pulver, erhält man durch geeignete Behandlung aus der Schalenhaut des Hühner-eies, während andere Horngebilde mehr oder weniger gefärbte Keratinpräparate liefern.

Ein so dargestelltes Keratin ist in heissem Wasser, auch in verdünnten Säurenoder im natürlichen Magensaft überhaupt in den gewöhnlichen Lösungsmittelnunlöslich. Beim Erhitzen mit ätzenden Alkalien wird es tiefgreifend verändert. Mit

11*