152
Kalium permanganicum.
■
Seine Wichtigkeit für die verschiedensten Zweigen der Chemie etc. verdanktdas Kaliumpermanganat dem Umstände, dass es leicht Sauerstoff abgiebt.Die Abgabe von Sauerstoff zeigt sich daran, dass die rothviolette Lösung ent-weder völlig entfärbt wird, oder dass eine Ausscheidung von Manganoxydenstattfindet.
Die Quantität Sauerstoff, welche abgegeben wird, ist verschieden, je nachdemdie Einwirkung in alkalischer oder in saurer Lösung vor sich geht:
a) In schwefelsaurer Lösung geben 2 Mol. K Mn 0 4 = 5 Atome Sauerstoffab unter Bildung von Manganosulfat:
MnOOOOKMnOOOOK
2 Mol. Mn 0 4 K.
2 [Mn 0 4 K] + 3 H 2 S0 4 = 3H 2 O + K,S0 4 + 2MnSO 4 + 50.
Die Flüssigkeit wird, wenn genügend Schwefelsäure vorhanden ist, farblosund klar.
b) In alkalischer Lösung geben 2 Mol. KMn0 4 = 3 Atome Sauerstoff ab,
die Flüssigkeit wird unter Abscheidung von Mangansuperoxyd(-hydrat) braun
getrübt:
MnOOOOK .. _ , .., A , Qn
MnOOOOK " K 2 0 + 2Mn0 2 + 30.
2 Mol. K Mn o 4 .
Aufbewahrung. Wegen der leichten Zersetzung, welche das Kalium-permanganat durch organische Substanzen erfährt, ist es unbedingt nöthig, dasselbein Gefässen mit Glasstopfen aufzubewahren. Der Schutz vor der Einwirkungdes Tageslichtes ist vorgeschrieben, weil Kaliumpermanganat unter dem Einflüssedes letzteren zur Zersetzung neigt.
Prüfung. Die Identität des Kaliumpermanganates ergiebt sich aus dessenäusserem Ansehen, sowie aus der violetten Färbung seiner wässerigen Auflösung.Die Angabe, dass die wässerige Auflösung (1 = 1000) durch Ferrosalze, Oxal-säure und Weingeist entfärbt werde, ist nur in soweit zutreffend, als bei Ab-wesenheit von freier Schwefelsäure zwar die rothe Färbung verschwindet, dafüraber eine braune Ausscheidung von Manganhydroxyden auftritt.
Die gute Beschaffenheit des Salzes zeigt sich daran, dass es trocken ist,dass die einzelnen Krystalle eine metallisch glänzende (nicht sammetartig matte)Oberfläche haben und dass es sich in Wasser, ohne Ausscheidungen abzu-setzen, auflöst.
0,5 gr Kaliumpermanganat übergiesse mau in einem Kölbchen mit 25 ccmWasser, füge 2 ccm Weingeist hinzu und erhitze so lange zum Sieden, bis dieüber dem entstandenen braunen Niederschlage stehende Flüssigkeit farblos ge-worden ist. Falls es an Weingeist fehlen sollte, setzt man noch einige Tropfenhinzu. Man beobachte das Auftreten von Aldehyd! Das farblose Filtrat darfnach dem Ansäuern mit Salpetersäure weder durch Baryumnitrat-(Sulfate) nochdurch Silbernitratlösung (Chloride) mehr als opalisirend getrübt werden.
Man übergiesse 0,5 gr Kaliumpermanganat in einem weiten Probirrohremit 5 ccm heissem Wasser und füge allmählich Oxalsäure hinzu. Die letzterewird zu Kohlensäure, welche stürmisch entweicht, verbrannt und Mangansuper-oxydhydrat scheidet sich als schwarzbrauner Niederschlag ab. Man filtrirt, so-bald die violette Färbung völlig verschwunden ist, ab, mischt 2 ccm des Filtratsmit 2 ccm conc. Schwefelsäure und schichtet auf das Gemisch 1 ccm Ferro-sulfatlösung. Es darf sich eine braune Zone nicht zeigen, widrigenfalls enthältdas Kaliumpermanganat Nitrate.
Anwendung. Wegen seiner Eigenschaft, organische Substanzen zu oxydiroD, wirktes zerstörend auf Fäulnisserreger und desodorirend auf Fäulnissprodukte, dagegen scheintes Krankheitserreger nur wenig zu beeinflussen. Das bei der Reaktion in Freiheit ge-setzte Alkali wirkt natürlich ätzend. Innerlich bewirkt es heftige Magenentzündung.