Kalium carbonicum.
Handelssorten. Die Preislisten führen auf:
1. Kalium carbonicum crudum, rohe Pottasche, 2. Kalium carbonicum depuratum,
gereinigte Pottasche, aus der vorigen durch Auslaugung gewonnen, 3. Kaliumcarbonicum (purum), reines Kaliumcarbonat, welches durch Glühen von reinemKaliumbicarbonat erbalten wird und das hier zu besprechende Präparat desArzneibuches darstellt.
Darstellung. Aus der rohen Pottasche gewann man ein reineres Präparat,indem man dieselbe mit einer zur völligen Auflösung unzulänglichen Menge Wasserauszog und die geklärte Lösung eindampfte und glühte. Hierbei ging allerdingsvorzugsweise Kaliumcarbonat in Lösung, während die schwerer löslichen Ver-unreinigungen der Hauptsache nach ungelöst zurückblieben, indessen eine völligeReindarstellung von Kaliumcarbonat war und ist auch heute noch auf diesemWege nicht möglich. Ausserdem gewann man ein ziemlich reines Kaliumcarbonatdurch Glühen von organischen Kaliumsalzen entweder für sich allein oder unterZusatz von Kalisalpeter. So erzeugte man z. B. Kaliumcarbonat durch Glühenvon Kaliumoxalat oder Kaliumbitartrat für sich oder mit Kalisalpeter vermischt.Die mit Hülfe von Salpeter hergestellten Präparate enthielten indessen in Folgeder Einwirkung der ausgeschiedenen Kohle auf das Kaliumnitrat stets nicht un-erhebliche Mengen von Kaliumcyanid.
Gegenwärtig kommt für die Darstellung des Kaliumcarbonates überhauptnur dessen Gewinnung durch Glühen von Kaliumbicarbonat in Betracht. Dadas Kaliumbicarbonat sehr gut krystallisirt, so kann es verhältnissmässig leichtrein dargestellt werden und bildet somit ein leicht beschaffbares, vorzüglichesAusgangsmaterial zur Gewinnung von reinem Kaliumcarbonat. Der sehr einfacheVorgang verläuft nach der Formel:
2 [KHC0 3 ] = H 2 0
+
co s
■+■ K 2 C0 3
iliumbicarbonat
Eftltumcarboaat
2 x 100 = 200
138.
100 Th. Kaliumbicarbonat liefern demnach 69 Th. Kaliumcarbonat. — DieEntwickelung von Kohlensäure aus dein Kaliumbicarbonat beginnt zwar schonbei 100°, die völlige Ueberführung in Kaliumcarbonat ist indessen erst bei etwa350° beendet.
In einen recht blanken eisernen (besser silbernen) Kessel, der auf einen gut ge-heizten Windofen gesetzt ist, trägt man die vorher scharf getrockneten Krystallc desKaliumbicarbonats nur in solcher Menge ein, dass der Boden des Kessels mit einerhöchstens daumendicken Schicht bedeckt ist. Mit einem blanken eisernen Spatel rührtman öfter um. Sobald die Entwickelung von Wasserdämpfen aufhört, ist die Operationbeendigt. Man schüttet die Masse in eine erwärmte Schale und giebt auf's Neue einejPortion des Kaliumbicarbonats in den Kessel. Wollte man grössere Mengen des Salzesin dieser Art erhitzen, so würde es, da es ein schlechter Wärmeleiter ist, nicht voll-ständig oder erst durch schwache Glühhitze von der auszutreibenden Kohlensäure unddem Wasser befreit werden. Der Versuch, ob das erhitzte Salz noch Wasser aus-dunstet, besteht darin, dass man einen kalten, grossen, gläsernen, klaren Deckel odereine Glasscheibe schnell dem erhitzten Salze nähert. Die geringste Feuohtigkeitsmangebeschlägt die Glasfläche. Das meiste bisher in den Handel gebrachte reine kohlensaureKalium ist aus dem Bicarbonat dargestellt und enthält gewöhnlich noch kleine MengenBicarbonat. Wahrscheinlich nimmt man die Darstellung in porzellanenen Schalen vor, indenen die nöthige Erhitzung sich weniger prompt ausführen lässt. 10 Th. Bicarbonatliefern' fast 7 Th. Monocarbonat. Das noch warme Salz wird sofort in recht trockenePiaschan eingefüllt, die man sofort mit Korkstopfen schliesst. Die Darstellung impharmaceutischen Laboratorium ist lohnend.
Eigenschaften. Das ofiizmelle reine kohlensaure Kalium ist ein trockenes,weisses, grobkörniges oder ein weisses, kristallinisches, grobes, hygroskopischesPulver, geruchlos, alkalisch reagirend, von Iaugenhaftem Geschmacke. Es ent-hält gewöhnlich bis zu 6 Proc. Kaliumbicarbonat und bis 4 Proc. Wasser (hygro-skopische Feuchtigkeit). An der Luft zieht es soviel Feuchtigkeit an, dass eszerfliesst. Es ist ohne Färbung in gleichviel Wasser, nicht in Weingeist löslich.
9*