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1 (1891)
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708
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Folia Stramoni

Von den Tinnevelli-Blättern unterscheidet man 2 Sorten: majora undminora. — Beim Gebrauch der Sennesblätter wird häufig über Leibschmerzengeklagt und schreibt man diese unangenehme Nebenwirkung einem harzartigen,in Alkohol löslichen Stoff zu, der in den kalten wässerigen Auszug nicht über-gehen soll.

Zur Herstellung der Folia Sennae deresinata oder Spiritu extraeta(Folia Sennae sine resina Ph. Austriacae) Hess Ph. Germ. ed. I. 1 Th. Fol. Sennaemit 4'/ 2 Th. Spiritus 2 Tage maceriren, dann abpressen und trocknen.

Anwendung. Die Sennesblätter gehören zu den milden drastischen Abführmitteln.Man giebt sie zu 2 — 5—10 gl - meist im Aufguss. Geschmackscorrigentien sind Ingwer,Anis, Citronensäure.

Folia Stramonii.

Stechapfelblätter; Herba Daturae; Feuilles de stramoine; Stramonium leaves;

Thorn apple leaves.

Von Datura Stramonium, zur Bliithezeit gesammelt. Die dünneBlattspreite spitz eiförmig, ungleich buchtig gezähnt; den grossen Lappensind nochmals 1 oder 2 Zahnpaare aufgesetzt. Die höchstens gegen 2 dmlangen und 1 dm Durchschnittsbreite erreichenden Blätter gehen keil-förmig oder fast herzförmig in den bis 1 dm langen, 1 bis 2 mm dickenBlattstiel über. Geschmack unangenehm bitterlich, salzig.

Vorsichtig aufzubewahren.

Grösste Einzelgabe 0,2 g. Grösste Tagesgabe 1,0 g.

Geschichtliches. Ob der Stechapfel den Alten bekannt gewesen sei, ist nicht zuerweisen. Man nimmt an, er sei von seiner Heimath am Schwarzen und CaspischenMeer durch die Zigeuner verbreitet worden, die vielleicht seine stark giftigen Eigen-schaften nutzten. In den Arzneischatz sind seine Blätter durch Störck (1762) eingeführt,vorher war er eine beliebte Gartenpflanze. Die älteren Botaniker verwechseln die Pflanzevielfach mit der in Südasien und Afrika heimischen Datura Metel L.

Abstammung. Datura Stramonium L. (Familie der Solanoae, Gruppe derCur-vembryae-Datureu e), ein einjähriges, kräftiges Kraut mit oft über fingerdickem,. kahlem, 1 m hohem Uauptstamm, der dicht unter der Gipfelblüthe stark spreizende,meist ungleich starke Gabeläste entwickelt. Die saftigen, hellgrünen, auf der Innenseiteschwach weichhaarigen Aeste tragen die unten zu beschreibenden Blätter und dieschönen, wohlriechenden Blüthen. Der Kelch der letzteren ist scharf 5 kantig, schwacliaufgeblasen, gelblichgrün. Die etwa doppelt so lange, schneeweisse, wohlriechendeKrone geht in lang zugespitzte Zipfel aus, die auffällig läügsgefaltet und in der Knosperechts gedreht sind. (Fig. 210.) Die langen Staubfäden tragen aufrechte, sich intrors öffnendeStaubbeutel. Der im unteren Theil deutlich 4 fächerige Fruchtknoten wächst zu einerkurzgestielt aufrechten, stachligen, eiförmigeD Kapsel von der Grösse der llosskastanien-früchte heran. Der untere Theil dos Kelches nmgiebt den Grund der Frucht wie eineabwärts gerichtete Manschette. Die vierklappig sich öffnende Frucht zeigt zu beidenSeiten der bis in den Scheitel sich fortsetzenden Scheidewand die vier, paarweise aufgemeinsamer, scheidewandartiger Basis stehenden Placenten, die von den grossen nieren-förmigen Samen bedeckt sind. (Vgl. weiter Müller, Medicinalflora, S. 488 u. 497.)

Beschreibung. Der Beschreibung der äusseren Erscheinung der Blätter,die das Arzneibuch giebt, wäre noch hinzuzufügen, dass der Blattstiel meistdicker ist, wie 1—2 mm, ferner dass die Nerven unter einem Winkel von 35bis 40° von der Hauptrippe abgehen; sie theilen sich dann im äusseren Drittelder Blatthälfte gabelig, der eine Ast verläuft in den Blattzahn, der andere an-