Platin. 651
Es ist durch die Hitze unserer gewöhnlichen Glühöfen nicht zumSchmelzen zu Dringen, im Knallgasgebläse ist es leicht schmelz-bar. Als Schmelztiegel dient ein ausgehöhltes Stück dichten Aetz-kalks und der S. 29 abgebildete Gebläseapparat.— Dünner Platin-draht, im Knallgasgebläse erhitzt, schmilzt sofort; das Metallverflüchtigt sich dabei sogar theilweise.
Das Platin theilt mit dem Eisen die Eigenschaft der Schweiss-barkeit. In Weissgluth, aber noch weit unter seiner Schmelz-temperatur, lassen sich zwei Platinstücke durch Hämmern zu-sammenschweissen. Ebenso wird das schwammige Platin, welchesbeim Glühen von Platinsalmiak zurückbleibt, wenn man es inhoher Temperatur einem starken Druck aussetzt, zu einer homo-genen, compacten Masse, welche aber meist noch kleine Luft-bläschen einschliesst. Diese sind die Ursache, dass Platintiegel,aus solchem geschweissten Platin hergestellt, durch starkes Glühenoft kleine Beulen bekommen. Die eingeschlossene Luft dehntsich in der Hitze aus, und treibt das umschliessende Platin auf.
Wir können das Platin in noch viel feiner vertheiltem Zu-stande darstellen, als wir es im Platinschwamm kennen, nämlichals kohlschwarzes, lockeres, stark abfärbendes Pulver, Platin-schwarz oder Platin mohr genannt. Das Platinschwarz entstehtdurch Reduction von Platinchlorür in alkalischer Lösung, dadurch,dass man Platinchlorür mit Kalilauge zum Sieden erhitzt, undder heissen Mischung nach und nach Alkohol zufügt, wobei jedes-mal ein lebhaftes Aufkochen erfolgt. Während das Chlor desChlorplatins sich mit dem Kalium des Kaliumoxydhydrats ver-einigt, oxydirt der Sauerstoff des letzteren den Alkohol zu Aldehydund Essigsäure. Das ausgeschiedene, schwarze Pulver, sorgfältigausgewaschen und getrocknet, besitzt in hohem Grade die Eigen-schaft, Gase und besonders Sauerstoff auf sich niederzuschlagen,zu condensiren, und wird hierdurch zu einem kräftigen Oxyda-tionsmittel.
Es ist bekannt, dass Platinschwamm bei gewöhnlicher Tem-peratur auf denselben strömendes Wasserstoffgas entflammt, aufwelcher Eigenschaft die Wirkung der Döber ein er'sehen Feuer-zeuge beruht. Der auf dem Platin stark verdichtete Sauerstoffhat stärkere chemische Affinität, als das gewöhnliche dünnereSauerstoffgas; möglich, dass das Platin die aus zwei Atomen be-stehenden Sauerstoffmolecüle in solche umwandelt, welche drei