Druckschrift 
1 (1884) Anorganische Chemie
Entstehung
Seite
140
URN (Seite)
  
Einzelbild herunterladen
 

140

Jod.

besonders an den Küsten Englands und Frankreichs zur Ebbezeitgemäht, ans Ufer gebracht und getrocknet, beim Verbrennen einean Jodnatrium so reiche Asche liefern, dass es der Mühe lohnt,hieraus durch chemische Processe das Jod abzuscheiden.

Nicht bloss die Algen, auch andere Pflanzen, Moose, fernerzahlreiche im Meere lebende Thiere, der Badeschwamm, nehmendaraus Jodnatrium auf. Auf diese Weise gelangt das Jod in denKörper, speciell in die Fette vieler Seefische, so auch in den Leber-thran. Im Mineralreich findet sich das Jod als Jodsilber in Peru,Mexiko u. a. m., und als Jodnatrium den mineralischen Natron-salzen beigemengt, welche dem Meerwasser ihre Entstehung ver-danken, wie dem Steinsalz und insbesondere dem unter dem NamenChilisalpeter" in Chili vorkommenden salpetersauren Natron. Ausden Mutterlaugen von diesem letzteren Salze werden gegenwärtigsehr beträchtliche Mengen Jod gewonnen.

Das Jod ist ein fester, krystallinischer Körper von schwarz-grauer Farbe und starkem Metallglanz, Nichtleiter der Elek-tricität und schlechter Leiter der Wärme; es ist spröde und leichtzu Pulver zu zerreiben, hat einen eigenthümlichen, unangenehmenGeruch, schwächer als das Chlor und Brom. Es schmilzt bei 107°zu einer schwarzbraunen Flüssigkeit, siedet bei etwa 200°, underfüllt dabei die Gefässe mit einem dunkel violetten Gase. BeimErkalten des Joddampfes bedecken sich die Gefässwände mit zahl-losen kleinen, glänzenden Krystallen. Sein specifisches Gewichtist 4"95, das seines Gases 8"7.

Obgleich es erst gegen 200° siedet, ist es doch schon beigewöhnlicher Temperatur so flüchtig, dass es durch Liegen au derLuft beträchtlich an Gewicht verliert und beim Aufbewahren ingeschlossenen Gefässen gleich dem Kampfer an die kälteren Theileder Wand in regelmässigen Krystallen sublimirt. Es ist inWasser mit gelbbrauner Farbe wenig löslich, viel weniger alsChlor und Brom, hat einen starken, unangenehmen Geschmack,färbt die Epidermis gelb bis braun, ist giftig.

Leichter als von reinem Wasser wird es von Wasser gelöst,welches Salze, insbesondere Jodkalium, aufgelöst enthält. Auchvon wässriger Jodwasserstoffsäure wird es in ziemlicher Mengeaufgenommen. Alkohol und Aether, so wie Chloroform undSchwefelkohlenstoff sind gute Lösungsmittel für das Jod. Seine