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2 (1838) Kryptogamen
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Mutterkorn.

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gebärenden, und dass man, namentlich bei plethorischen, sehr sensibeln oder hysterischen Frauen,die Gaben nicht zu stark greife oder zu rasch auf einander folgen lasse; man hat sonst zu stür-mische Wehen, stundenglasförmige Zusammenziehimg des Uterus, vorzeitige Lostrennung der Pla-centa, Orgasmus des Gefässfystercus, Erbrechen, narkotische Erscheinungen (Betäubung, Schwindel,Irrereden), selbst Ruptur des Uterus < 639) und, auf eine oder die andere Weise, Tod des Kindesund der Mutter, zu befürchten. Es ist auch behauptet (aber noch nicht nachgewiesen) worden,dass die Anwendung des Mutterkorns Sterilität zur Folge haben könne. Nach einem längere Zeitfortgesetzten Gebrauch sah Courliaut Convulsionen und Neigung zum Brand an den Extremitäten(Kriebelkrankheit). Man giebt es zur Beförderung der Wehen zu Gr. 5-10 (-20) alle l-iStunde; auch wohl noch rascher hinter einander, doch dann nur einigemal; oder auch kleinereGaben rascher hinter einander; bei Blutungen zu Gr. 5-10, in dringenden Fällen alle 10 Minuten(doch nicht zu oft), sonst seltener und bisweilen selbst nur alle 2-3 Stunden; bei Wechselfie-bern zu Gr. 10 (bei Schwächlichen zu Gr. 6-8), in Zwischenräumen von 2 Stunden 3mal vor demEintritt des Paroxysmus; In chronischen Krankheiten zu Gr.3-8, zwei- bis viermal täglich.Bisweilen verbindet man es mit einem Analepticum oder Corrigens, um dem Ekel vorzubeugen, dersich leicht einstellt (Aq.Flor.Aurant., Gewürz, Wein, Opium). Meistens giebt man das Pulveroder pulveraufnehmende Formen, doch sind auch die wässerigen flüssigen Auszüge< 640) , namentlichdie Abkochung, wirksam, scheinen oft selbst noch rascher, wenn gleich etwas weniger energisch,zu wirken. Auch Extracte, Syrupe, einfache und ätherische Tincturen hat man, wiewohl nichthäufig, mit Erfolg angewandt. < 641 ) Äusserlich hat man (selten) die Körner in Substanz (imMunde zu halten) bei Zahnfleisch-Blutungen, das Pulver bei anderen Blutungen, eine Tinctur zumEinspritzen in den Uterus bei schweren Geburten < 642 > gebraucht.

Über die Auswahl des Mutterkorns zum Arzneigebrauche haben' 643 ' Versuche von Klage! 6 4 *!das wichtige Resultat herausgestellt, dass nur das vor der Roggen-Ernte gesammelte Mutterkörn recht kräftig sey. Bei der Aufbewahrung muss es vor Feuchtigkeit and vor Insecten wolübewahrt werden. Doch scheint es nicht zweckmässig, die Gefässe luftdicht zu verschliessen, indemes dann leicht durch seine eigene, nicht wohl ganz zu entfernende, Feuchtigkeit fault; am bestenbewahrt man es etwa in einem nur durch ein (mit einigen ganz feinen Löchern versehenes) Papierverschlossenen Gefässe. Es scheint rathsam, den Vorrath alljährlich zu erneuern, weil altes Mut-terkorn, wie viele Versuche beweisen, sehr unkräftig ist/ 645 '

Erklärung der Abbildungen.

Einigen Figuren sind in Parenthese Zahlen beigefügt, welche die Stärk«* der Vergrösserung angeben; die übrigensind in natiirl. Grosse.

Taf. IX. Fig. 3-33. Mutterkorn des Roggens. Fig. 3. Eine Roggenähre mit einigen Mutterkö'rnern, welche ihrMützchen bereits verloren haben. Fig. 4. Der untere Theil einer Roggenähre mit 6 Mutterkörnern, von welchendie 3 obersten noch mit dem Mützchen versehen sind. Fig. 5-15. Isolirte Mutterkörner, und zwar F. 5, 7 mit Mütz-chen und Iliillansatz, F. 6, 8 ausserdem noch mit Deckspelzen; F. 9-11 bloss mit Ilüllansatz; F. 12-15 ganz ent-blösst. Fig. 16, 17. Senkrechte Durchschnitte. Fig. 18-21. Guerdurchschnitte.

Fig. 22. Eine weniger als gewöhnlich veränderte Deckspelze am Mutterkorn, in der natürlichen Lage. «". Hüll-ansatz, d. Deckspelze, nach links mit der (nicht sichtbaren) der anderen Seite zusammenhängend, nv. Unterer Theil desMutterkornkörpers. Fig. 23-25. Isolirte Deckspelzen; F. 25 zeigt nur noch eine Andeutung der normalen Cilien.Fig. 26. Zwei mit einander verwachsene Deckspelzen, von welchen zugleich die eine ungewöhnlich gross ist. (Vgl. S.99.) «6 ist die in der Figur sichtbare Grenze zwischen beiden; die wahre Grenze liegt tiefer. Fig. 27. Bläschen

(639) Diese scheint doch noch nicht wirklich beobachtet zuseyn ; wohl aber sind es die übrigen oben angegebenen Folgenwiederholt.

(640) Die übrigens dem Verderben sehr ausgesetzt Bind, alsonicht in grossem Vorrath verordnet «erden dürfen.

(641) HOOker (vgl. Dierb. d. neuesten Entd. 147-148) giebtnach Versuchen an, dass das (von ihm nicht rein dargestellte)Öl des Mutterkorns narkotisch und bei Kreisenden angewandt aufdas Kind sehr nachtheilig wirke, dass auch die Pulverform nach-theilig und das Becoct gefahrlich sev, und das» man das Mutter-

korn immer nur im wässerigen Aufgusse (von nicht mehr als25 - 30 Gran; der Bodensatz sey zu entfernen) geben solle. SeineAngaben scheinen aber sehr der Bestätigung zu bedürfen!

(642) Könnte dies nicht dem Kinde sehr gefährlich werden?

(643) Nachdem schon früher Desgranges und Böttcher

darauf aufmerksam gemacht hatten.

(644) Vgl. Dierb. d. neuesten Entd. 128.

(645) Aus England her ist empfohlen worden , ein StückchenCampher mit in das Glai zu thun; dadurch erhalte «ich die Heil-kraft länger.