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Mutterkorn.
«) die Erzeugung desselben txl verhüten. Zu dem Ende hat man empfohlen, die Felder, aufwelchen man den Roggen bestelle, da das Mutterkorn die Feuchtigkeit liebe, trocken auszusuchenoder trocken zu legen (durch Abzugsgräben, Erhöhung niedriger Stellen p.p.), — " a s zur Aussaatbestimmte Korn öfters zu sieben und das Abgesiebte (worin Mutterkorn-Sporen stecken könnten),so wie auch alle Mutterkörner, deren man habhaft werde, zu vernichten, — das Korn vor demAussäen mit allerlei scharfen Sachen( 634 ) zu waschen (um die „Pilzsporen" zu tödten) oder dochmit vielem Wasser (um sie wegzuschwemmen), — das Saatkorn mit Kalk zu mengen, um da-durch die Vegetation zu kräftigen, — dünn zu säen, weil bei sehr dicht stehender Saat die etwasminder hohen Hahne nicht gehörig von der Sonne beschienen würden, — p.p.( 635 )
b) das dennoch gebildete Mutterkorn von den guten Körnern zu trennen. Zu dem Ende sollman das Korn etwas spät schneiden, damit durch die hierbei stattfindende Erschütterung recht vieleüberreife Mutterkörner auf dem Felde ausfallen, — dann das eingebrachte Getraide sieben [würdenur die grösseren Mutterkörner absondern] oder werfen (schwingen) oder waschen [es sondere sichhierbei das leichtere Mutterkorn von den schwereren Körnern] oder geradezu verlesen [der Be-schwerlichkeit ungeachtet vielleicht noch das beste, zuverlässigste Mittel].
c) das dennoch unter das Brodkom gekommene Mutterkorn unschädlich zu machen. Zu demEnde soll man das Korn gelind rösten [starkes Rösten macht, wie es nach einem Versuche vonDiese (105) scheint, das Mutterkoni ziemlich unschädlich; ob aber auch gelindes? Und starkeswürde den gesunden Körnern schaden!] oder es mit einer Kalilauge behandein [scheint aus ähnli-chen Gründen theils unzuverlässig, theils verwerflich; man vgl. Diez 115].
Die Ökonomen mögen die ZAveckmässigkeit aller dieser Vorschläge beurtheilen. Ausserdemwäre es wohl rathsam, Müllern und Getraidehändlern das Mahlen und Verkaufen eines durch (viel)Mutterkorn verunreinigten Getraides zu verpönen« 53 «)., wi e dies auch zum Theil schon geschehen
jg t <6 3 7). _
Über Heilmittel bei dennoch erfolgter Vergiftung durch Mutterkorn hat sich noch nichtsrecht brauchbares herausgestellt. Bei einer mehr acuten Vergiftung würden Brech- oder Abfuhr-Mittel wohl in der Regel den Anfang machen müssen. Dann dürfte Chlorwasser (Aqua oxymuria-tica) das beste Gegengift seyn (da Chlor das Ergotin zerstört). Übrigens verfahre man nach denallgemeinen Grundsätzen.' 638 )
Medicinische Anwendung. Obwohl schon seit Jahrhunderten als Volksmittel und vonÄrzten hie und da gebraucht, wurde das Mutterkorn doch erst vor einem Vierteljahrhundert, zu-nächst durch die Empfehlung Prescott's, den Ärzten allgemeiner bekannt und beliebt. Man ge-braucht dasselbe jetzt sehr häufig als ein reizendes, etwas narkotisches Mittel, welches zunächstauf das GefässHystem, nächstdem auf die Gebärmutter, erregend, contrahhend wirkt. Man giebt esbei GeburtS-, auch Nachgeburts-Zügerungen, bei Mutterblutflüssen vor, während und nach der Ge-burt, um Contractionen des Uterus hervorzurufen, — zur Beschleunigung von Frühgeburten, —bei Polypen oder anderen Geschwülsten des Uterus, damit sie, behufs einer Operation, durch dieZusammenziehung des Uterus tiefer herabgedrückt und zugänglicher werden, — bei Amenorrhoevon torpider Schwäche des Uterus, — gegen atonische Leukorrhoe und Gonorrhöe. Auch gegenandere Blutflüsse als aus der Gebärmutter, so wie auch gegen Wechselfieber, ist es bisweilen nichtohne Glück versucht worden. Bei der Anwendung zur Beförderung der Geburt hat man sich vor-zusehen, dass nicht zugleich mechanische Hindernisse der Geburt stattfinden, namentlich bei Erst-
(634) Z. B. verdünnte Salpetersäure, Kochsalz, Meerwasscr,Salpeter, Holzasche, Scifensiederlauge, gebrannter Kalk, Kalk-wasser.
(635) teveille macht darauf aufmerksam, dass es nüthig#ey, a" e diese Cautelen zugleich anzuwenden.
(636) Wiggers (47) gicht ein Mittel an, um das Mehl aufVerunreinig 11 "? durch Mutterkorn zu prüfen; man soll es näm-lich mit Schwefelä* 11 « maceriren, dann diesen absondern und ab-
dampfen , wubei das fette Öl des Mutterkorns zurückbleibe. —Eine irgend erhebliche Beimengung von Mutterkorn wurde sichaber auch wohl schon durch die Farbe des Mehls verrathen.
(637) Vgl.Wigg.46****.
(038) Courhaut empfiehlt bei der Kriebelkrankheit Amnio-nium innerlich (tropfenweise in einem China - Auszug) uud äus-serlich.