146
Aconitum Variabile.
Fruchtknoten kahl oder etwas weichliaarig. Kapseln stark verlängert»länglich im Jüngern Zustande aus-gebreitet nach dem Aufspringen mit aufrecht-abwärts gekrümmten Spitzen. — Samen meist sechskantig. —E i wc i f s umgekehrt - kegelförmig.
Vaterland. Die Hauptform wächst in Steiermark, namentlich auf dem neuenberger Gebirgszuge,auf Voralpen und in Wäldern, findet sich aber auch in Krain, Kurntben, auf den Pyrenäen bei Ingolstadt,bei Göltingen, in Hessen, Holstein, Dänemark, Schweden (hei Fahlun, Slämshagcn uud in Schonen beiHasslemölla); die Form A. pyramidale in Hessen bei Frankeubcrg und in Baiern bei Slraubingen; die übri-gen Formen auf den Sudeten, den Salzburgcr, Tyrolcr, Steiermärker und Schweizer Alpen (Hnync). —Blühezeit. Im Julius, August und September; die Form A. pyramidale vom Mai bis in den Julius.
Eigenschaften. Die Wurzeln und Blätter lassen im frischen Zustande beim Zerreiben einenwiderlichen Geruch und beim Kauen einen anfangs bitterlichen, später aber brennend scharfen Geschmackund ein nach Geiger oft mehrere Stunden dauerndes Brennen auf der Zunge, den Lippen und dem Gaumen;wahrnehmen. Dies gilt, wiewohl in geringerem Grade auch von den getrockneten Thcilen des Gewächses.Durch Application der frischen Theile auf die Haut erfolgt Rölhung derselben oder selbst auch Blasenbildung.Bei Personen, die gröfscre Quantitäten des Krautes zerquetschten, sah man durch die blofscn AusdünstungenKopfweh, Schwindel, Zittern der Glieder und Rückenschmerzen entstehen. Ein aus dem frischen oder trok-kenen Kraute oder der frischen Wurzel bereiteter, wässriger Aufgufs wird nach Geiger ') durch salzsauresEisenoxyd dunkelgrün, durch Gallustinctur hellgrau gefärbt. Als vorwaltende Bestandteile sind ein scharfernarkotischer SloiF, nach Brandes und Peschicr ein Alkaloid (Akouitin) darstellend, und eisengiüncnderGerbestoff zu betrachten (s. oben bei Aconitum Cammarum).
Wirkung. Werden zu grosse Quantitäten des Sturmhutcs in den Organismus gebracht, mögen siedurch den Mund, den Mastdarm oder die Gefäfsc mittelst Application auf von Haut entblösste Stellen indenselben gelangen, so entstehen alle Zufälle einer narkotisch-scharfen Vergiftung. Die Vergiftung durchden Mund äufsert sich zunächst durch heftiges Brennen im Munde, dem Zahnfleisch und der Zunge. Hierauferfolgt vermehrte Haut- und Hornabsonderung, ein beschleunigter Puls, innere Hitze, während die äufsernTheile sich kalt anfühlen und von kaltem Schweifse bedeckt sind. Dabei findet sich Eingenommenheit desKopfes, Schwindel, ein starrer Blick, Erweiterung der Pupille, Verdunkelung des Gesichts, Krämpfe undZuckungen, Aufslofsen, selbst Erbrechen, Kolikschmerz, schmerzhafte Anschwellung des Gesichts uud desUnterleibes und Zittern der Glieder, während das Gesicht und die Lippen blau werden, die Respiration sichbeengt und unter unwillkürlichen Stuhlgängen, Delirien, Erstarrung, Sopor, Obnmachten und Zuckungen einapoplectischcr Tod erfolgt. Vergiftungsfälle, die sich an Menschen ereigneten, kennt man viele. Sie wurdcutheils durch die Blätter, welche irrigerweise unter den Salat gekommen waren 2 ) oder die man sonst un-vorsiektigerweise ') genoss, theils durch einen Liqueur, zu welchem man aus Versehen statt Licbstöckcl-wurzel die Wurzel von Aconitum genommen hatte *) herbeigeführt und endeten sehr häufig mit dein Tode.Aus frühern Zeiten sind mehrere Fälle bekannt, wo Verbrecher, denen man versuchsweise Sturmhul reichte,entweder nur durch bald gereichte Gegenmittel gerettet werden konnten oder starben 5 ). Neuerdings stellteOrfila 6 ) an Hunden mit Aconitum viele Versuche an. Er applicirte es in den Magen und spritzte es inden Mastdarm oder in das Zellgewebe, woraus die sehr nachtheilige und tödliche Wirkung, welche es aufHunde ausübt, hervorgeht. Rinder soll es nach Linne ebenfalls tödten. — Kommt der Sturmhut zufällig»der absichtlich, seihst in geringerer Menge, in Wunden, so entstehen darnach heftige Schmerzen, so wie
») Pharmae. Bd. IL 2. p. 1152. — ») Philosoph. Trans. Fol. XXXFIIL p- 287. (1734) Obserr, IlL;Willis d. müm. brul. p. 289. — ') Linn. Faun suec. — *) Pallas disc. 1S22. — ') Matthiol. Commerü. inDiose cd. liauli. p. 768.. — 6 ) Tratte d. poss. ed. 3. T. IL p. 27 1.