106
Aetiiusa Cynapium. Huudspetersilie.
drei- bis sechszchn- und mehrblumig. Hülle (allgemeine) fcblend. Hüllchcn (besondere Hülle) einseilig, drei-blättrig, hangend; Blättclien linienförmig, länger als die Blumenstielchcn (Sirahlen der Döldchen). — Kelch-sewu undeutlich, zahnlos. — Blumenkrone fünfblättrig; Kronenblätter weifs, die der Randblumen, derDöldchen unglcicb, die zwei äufsern derselben fast herzförmig und ausgebreitet, grüfser als die innern, und inder Mitte mit einem grünen Fleck, die drei innern kleiner als die Sufsern mehr oder weniger stark eingebo-gen-herzförmig, weifs, oder auch einzelne iu der Mitte mit einem grünen Fleck. Kroneublätler der mittlemBlumen der Döldchen alle eingebogen-herzförmig, gleich, weifs.— Staubgefäfse fast wie bei den andernDolden ; Staubbeutel gelbliehwcifs. — Stempel: Fruchtknoten rundlich, schwach-zusammengedrückt, ge-rippt und der Länge nach gefurcht, an der Spitze wie bei den andern Dolden mit einer fast nicrenförmigen,weifsen Drüse. Griffel von verschiedener Länge, bei den sich entwickelnden Blumen kurz, fast gcrad;fadenförmig, bei den verblühenden und verblühten Blumen sich stärker verlängernd und abwärts krümmend,bleibend. JSarbcn stumpf. — Frucht: Doppclachcnc , eirund-rundlich, zusammengedrückt, gerippt, 1{'"lang, strohgelb, mit rothbraunen Striemen. Achcncn fünfrippig mit flacher Fugenfläche. Striemen sehrdeutlich; vier auf der Rückseite in den Thälchen liegend, zwei auf der Fugenseite. Die Rippchen scharf.Samenträger vorhanden, zweispaltig. Fruchthaut mäfsig. Samenhäute deutlich. Eiivcifs reichlich.Embryo wie bei den andern Dolden. — Die Cotyledonen des jungen Pflänzchens sind länglich, nervig,ganz, ganzrandig. Das erste Blatt ist drcilappig mit fast keilförmigen, am obern Rande gezähnten Lappen.Das zweite Blatt ist dreizählig, mit eiförmig-rundlichen, an der Basis keilförmigen, am Ende meist drcilappiggezähnten Blättchcn.
Vaterland. Sicilien '), Italien 2 ), Schweiz 3 ), Frankreich"), England 5 ), Deutschland 6 ) (inallen Provinzen), Skandinavien 7 ), Ungarn 3 ), Siebenbürgen 9 ). Standort. Gartenland, Wege, Schutthau-fen; auf gutem Böden. Bluhezcit. Juni bis September. Fruchtreifc. August bis Oclober *).
Eigenschaften. Beim Reiben zeigen die einzelnen Thcilc, namentlich die Blätter einen unangeneh-men, doch nicht sehr starken Geruch. Sic schmecken eben nicht angenehm. Als vorwaltender Bestandteilist ein narkotisches Prinzip zu betrachten. Ficinus fand in unserer Pflanze ein krystallisirbares, organischesAlkali (Cynapin) IO ). Eine genauere chemische Untersuchung fehlt noch.
Wirkung. Die Pflanze gehört, wenn mau die im Wesentlichen miteinander übereinstimmendenAngaben der altern und neuem Schriftsteller zusammenhält, zu den narkotisch-scharfen Substanzen. Beson-ders heftig sollen die Blätter wirken. Gmelin l '), der die altern Erfahrungen von Buchhave I2 ), Mar-tius "), Miller "), Dalechamp ,5 ), Matthiolus I6 ), Jungius ,7 ), Blair I8 ) und Rivierc ") mit-
') Gussone H. SicuL Prodr. Fol. I. p. 357. — a ) Pollini Veron. I. p. 377. — ') Gaudin Fl. Helvet.II. p. 403. — ») Decand. Fl. franc. n. 3436.,- Merat Flore d. environs d. Paris p. 115.,- Vill. Delph. II. p. 601.— 5 ) Smith Brit. 323. — <■) Mert u. Koch Deutschi. Fl. II. n. S99.; Koth Enum. I. 1. p. 891. — *) Hart-
mann Scandin- Faun. p. 123.
8 ) Endlicher Posen. I. p. 344.
9 ) Baumgarten Enum. I. p. 231. —
I0 ) Geiger Pharmac. Bd. IL Ablh. 1. S. 67S. — ll ) Geschichte d. Pßanzeng. &te Ausg.) 570. — I2 ) 4 ct . Sociec.med. Havn. I. S. 51. — '») Ephem. Ac Caes. Nat. Curios. Fol. I. Obs. 52. — **) Ebend. Cent. X. Obs. C2. —I5 ) Notae ad. Plin. sec. Aat. L. XXXFII, — I6 ) Comment. in Diosc. p. 1416. — ") Ephem. Acad. Caes. IVat.Cur. Dec. I. a. 4. 5. p. 101. — I8 ) Pharmaco-botanologia. Lcnd. 172S. Dec. F. p. 212. — «») Uistoire de l'Acad.Pwyale des Sciences a Montpellier. Lyon 1766. B. I. S. 170.
*) Das sicherste Merkmal, unsere Pflanze in allen Alterszuständen von der Petersilie zu unterscheiden, ist der widrigeGeruch und Geschmack. Die altern blühenden oder fruchttragenden Pflanzen bieten freilich noch weit mehr Kennzeichen. DieWurzel der Hundspetersilie ist dünner und einjährig; die Petersilienwurzel zweijährig. Die Hundspetersilie erscheint am Stengelgraugrün, wie bereift, die Petersilie stets reiflos. Die Blumen der Hundspetersilie sind weifs, die der Petersilie grün-lich-gelb. Die Hüllchen sind bei der Hundspetersilie niedergebogen und mehrblättrig, bei der Petersilie fehlen sieganz. Die Früchte der Hundspetersilie sind flächer und breiter und sehr stark gerippt-