Gemeiner Oleander.
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entwickelt. Eimcifs in mäfsig grofser Menge den Embryo umgebend, weifs. — Beim Keimen schiebt sich dasWürzelchen aus dem Schopfende des Samens zuerst hervor und später erst folgen die länglich-linieuförmigen,stumpf-zugespitzten Cotyledonen, die durch späteres Auswachsen eine Breite von 1| Linien und Länge von\ Zoll erreichen und wie die Jüngern Blätter auf der untern Seite blässer sind. Die ersten jungen Blättersind fast umgekehrt-eirund-länglich und stumpf zugespitzt und zu zweien einander opponirt. Nach obenherauf werden sie spitzer.
Vaterland. Als der eigentliche Wohnort des Oleanders wird Ostindien, Kleinasien, Arabien undAfrika angegeben, während er in Portugal 1 ), Spanien, im südlichen Frankreich 2 ), auf Corsika ') und Sici-lien *) in Italien 5 ), Dalmatien 6 ) und Griechenland 7 ) zwar häufig, nach einigen Schriftstellern aber nurverwildert sein soll; doch mag er auch in den letztgenannten Ländern ursprünglich wild sein, obgleich, we-gen der Organisation seiner Saamen, seine Verbreitung und Verwilderung leicht möglich ist. Bei uns wirder häufig seiner angenehmen, immergrünen Blätter und schönen Blumen wegen in Töpfen schon seit Jahr-hunderten gezogen. Ja als Ziergewächs hat man ihn selbst nach Amerika verpflanzt 8 ). — Standort. Erliebt besonders die Ufer kleiner Flüsse, Bäche oder Seen, zumal wenn sie etwas gebirgig sind. — Blühe-zeit. Fast den ganzen Sommer hindurch.
Eigenschaften. Der Geschmack aller Theile ist bitter und scharf, ja sie bringen, wenn man sielängere Zeit kaut, heftige Entzündung des Mundes und der Zunge hervor. Ein besonderer Sitz der Schärfeist unter andern auch der beim Abschneiden der jüngeren Zweige reichlich hervortretende Saft. Eine chemi-sche Untersuchung fehlt.
Wirkung. Der Oleander ist ein sowohl für Menschen, als auch, wie es scheint, für alle höherenThiere, wie Pferde (Grognier'), Esel, Ziegen, Schaafe 10 ), tödlliches Gift *), welches nach Orfila's 11 )zahlreichen, an Hunden angestellten Versuchen das Nervensystem und Hirn heftig ergreift, Betäubnng, Un-empfindlichkeit, Schwindel, Lähmungen aller Art, sowohl allgemeine, als besondere, herbeiführt, namentlichauch die Sinnesorgane heftig afficirt und Erweiterung der Pupille bewirkt. Der Tod tritt unter Convulsio-neu, namentlich der Extremitäten ein, oft nach vorhergegangenem Erbrechen. Die Leichenöffnungen zeigendie Symptome der narkotischen Vergiftungen, dabei aber auch die Merkmale einer localen Entzündung.Puihn t ' 2 ) sah nach dem Genüsse des Oleanders unerträgliche Bangigkeiten, Aufschwellen des Leibes, Ohn-mächten und Entzündungen entstehen. — Am heftigsten wirkt das aus der Pflanze bereitete, wässrige Ex-tract, besonders wenn es in die Jugularvenen eingespritzt wird. Orfila sah nach dem Einspritzen einerverdünnten Auflösung desselben, die 24 — 36 Gran enthielt, die Hunde in 4 — 7 Minuten sterben. Weni-ger heftig wirkt es, wenn es in den Magen gebracht, oder noch weniger, wenn es äufserlieh in einer Wundeauf das Zellgewebe applicirt wird. Zwei Drachmen in den Magen applicirt reichten hin einen kleinen Hundin 22 Minuten zu tüdten. Geringer sind die Wirkungen des Pulvers und am geringsten die des aus denBlättern und Zweigen durch Destillation gewonnenen Wassers; doch tödten auch diese Substanzen, wiewohlweit langsamer und erst in gröfsern Gaben. Das getrocknete Pulver der Blätter wirkt heftig drastisch underregt Niesen. Schon das blofse Wasser, worin Oleanderblätter macerirten, tödtet Schaafe in kurzer Zeit.Nach Libautius 15 ) soll eine Person, welche Oleanderblumen in ihrem Schlafzimmer hatte, von der blofsen
') Broter. Fl- Lusit. P. I. p. 279. — ') Duby Botan. Gall. p- 324. — 3 ) Pollini Ft. Veron. I. p. 253. —«) Presl Fl. Sic- — *) Pollini a. a. O. Tcnore Fl. l\eapolit. T. I. p. 114. — 6 ) Hosfß Austr. I. p. 314. —*) Smith Prodr. FI. Graec. 1. p. 164. und Flor. Graec. P. III. t. 248. — •) Brown Jam. 181. — ') Memoirelu a la Societe de Medecine de Lyon en 1810. — IO ) Gmelin Geschichte d. Pflanzengifte S. 234.
*) Schon Dioscorides c. 77. und Galen de simplic. medim. Lib. VIII. erwähnen die Giftigkeit des Oleanders.
") a . a. O. T. IL p. 324. ff. — I2 ).Bei Gmelin a. a. O. — I3 J Orfila a. a. O.
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