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1 (1834) Phanerogamen
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Digitalis Purpure a.

Eigenschaften. Die Blumen und die Blätter Laben einen unbedeutenden Geruch, aber einen sehrwidrigen, höchst bittern und scharfen Geschmack, und veranlassen, länger gekaut, durch ihren verschluck-ten, den Speichel stark färbenden Saft ein Brennen im Munde, Rachen und Magen. Als wirksames Principkennt man jetzt in ihnen ein eignes, in Wasser, Alcohol und Aether lösliches, krystallinisches, braunesAlcaloid, von Le Royer (Biblioth. univ. des scicnc. etc. Janv. 1824. p. 102. und in Schweigg. Journ.B. XII. St. 1. S. W.Q.) entdeckt und Digitalin genannt (s. auch Planiawa's wohlfeilere Bereitung inGeiger's Magaz. B. 25. Febr. 1829. S. 54J. Aus £ Pfd. des trocknen Krautes erhielt Meylink (Gei-ger's Magaz. 1828. Nov. und Decbr. S. o56.J 45 Gr. Digitalin. Nach Haase (diss. de Digit. purp.Lips. 1812.^ enthalten die getrockneten Blätter: 5,5 harzige Substanz (vvirks. Bestandth.); 15,0 Extractiv-stoff; 15,0 gummige und schleimige Substanz mit sehr wenig Kali und Weinstein; 2,0 Sauerklees. Kali;52,0 Faserstoff mit etwas verhärtetem Eiweifsstoff; 5,5 Wasser; 5,0 Verlust. Ein saturirtes, kalt berei-tetes Infusum (| Unz. Kraut wird durch 4 Unz. Wasser genügend extrahirt) ist braun und schmeckt sehrscharf und bitter.

Wirkung. Nicht nur Blätter und Blumen, sondern auch die Samen sind fast in gleichem Gradenarkotisch und scharf. In kleineren Gaben wirkt der rothe Fingerhut sehr mäfsig, und zwar gewöhnlicherst nach mehreren Tagen merklich, auf die Drüsen und Lymphgefäfse und die Absonderungsorgane, undvermehrt besonders die Urin- und Schleim-Absonderung. In stärkerer Gabe wirkt er schon mehr auf dieDigestion und Assimilation, macht leicht Verdauungsbeschwerden, Uebligkeiten und Colikschmcrzen, wobeizugleich die merkwürdige Kraft hervortritt, die Pulsschläge seltener und aussetzend zu machen, oft erstnach 2 3 Tagen. Nach dem Genüsse einer noch gröfseren Menge erfolgt ein heftiges Brennen aller vonihm berührten /Theile, Durchfall nnd grasgrünes Erbrechen, und nun treten auch die narcotischen Wir-kungen hervor, indem den Kranken Unruhe, ein eigenthümliches Flimmern vor den Augen '), Zitternder Glieder, Kophweh, Schwindel, Verdunkelung der Augen, verengerte oder erweiterte Pupille, Funken-sehen, oft fast völlige Bindheit u. s. w. befällt, worauf in den schlimmsten Fällen Zuckungen, Lähmungen undkalte Schweifse folgen, bis der Tod apoplectisch eintritt. Vom gereinigten Digitalin reichen schon 1~ Gr.hin, ein Kaninchen binnen 14 Minuten zu tödten. Von dem Pulver der Blätter brauchte Orfila ') 6 Dr.,um einen starken Hund nach 12 Stunden zu tödten, dessen Magen bei der Section deutlich entzündet er-schien. Das mit Weingeist bereitete Extract sah er heftiger wirken als das wäfsrige, und das Pulverschwächer als beide. Die Wirkung der Extracte war sehr lebhaft und schnell, wenn sie in die Drossel-vene gespritzt wurden, weniger wirkten sie auf das Zellgewebe und noch weniger im Magen. Die Wir-kung auf die Organe des Kreislaufs war nicht immer dieselbe, indem die Herzschläge bald verzögert, baldbeschleunigt, stark, ungleich und aussetzend wurden. Orfila selbst nahm 4 Wochen lang täglich 420 Gr.Pulver, und merkte nicht die geringste Verminderung der Pulsschläge 5 ). Ein Mann von 55 Jahren, wel-cher statt 1 Gr. ungefähr 1 Dr. genommen hatte, fing nach einer Stunde an zu brechen, welches noch biszum andern Tage anhielt; am siebenten Tage war der Puls noch langsam und am 14ten verschwand erstdie Befangenheit der Sinne *). Einen noch unlängst vorgekommenen Vergiftungsfall, wo ein junger Menschin England von einem Kräuterhändler 6 Unz. des Decocts erhielt, und, nachdem er heftig gebrochen, und beieintretender Erweiterung der Pupille, Convulsionen bekommen hatte, 22 Stunden darauf starb, theilt unsGeiger ! ) aus dem Journ. d. Chim. med. Dec. 1827. mit. Truthühner sollen, wenn sie das Kraut

') Purkinje in Rust's Magazin B. XX. H. 2. p. 236. 5 ) a . a- O. T. II. p. 286. 3 ) a . a. O. p. 301.Not.; s. auch Saundcrs An Inquiry concerning Digitalis. Edimb. 1808. Svo. *) Bidault de Villicr's Journ. d.Med. Chir. et Pharm. 2Yoe. 1817. 5 ) Magaz. f. Pharm. B. 21. S. 287.