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Colchicum Autumnale. Gemeine Herbstzeitlose.
Samen und die Zwiebel. Im allgemeinen geht die Wirkung mehr amf den untern Theil des Darmcanalf,denn wenn sich auch anfangs Kopfschmerzen, Uebelkeit, Ekel, Erbrechen, und sogar Zusammenschnüren desSchlundes und Schluchzen einstellen, so herrscht doch bald das fürchterlichste Bauchgrimmen, und Brennenim Magen und Unterleibe vor, und es erfolgen Durchfall, Stuhlzwang, verbunden mit Urinbeschwerden, undHämorrhagie durch Mastdarm und Harnröhre führt oft den Tod herbei; ja sogar Speichelflufs soll sich zu-weilen einfinden. Der Puls ist diesen entzündlichen Zufällen angemessen, klein und accelerirt. Die Leichen-öffnungen zeigen bei Menschen und Thieren Entzündung und Ablösung der innem Haut der Eingeweide.Brand des Magens und Aussehwitzuungen in die Bauchhöhle. Im Herzen sollen sich Zeichen eines narcoti-schen, der Zeitlose eigenthümlichen, Stoffes finden (?) — Noch kürzlich sind in der Gegend von Bern2 Vcrgiftungsfalle vorgekommen, zwei Knaben, nemlich der eine von 2, der andere von 6 Jahren, afsen am26. Mai auf einer Wiese eine Menge noch unreifen Samens, wonach sich bald die meisten der genanntenSymptome einstellten; bei dem einen wurde eine grünliche, wäfsrige Flüssigkeit ausgebrochen. Der kleinerestarb nach 24, und der gröfsere nach 32 Stunden. J ) Gmelin sammelte noch ähnliche Vergiftungsfälle. 2 )Störk tödtete mit 3 Uuz. einen Hund. — Noch ist hier die Zeit des Einsammelns zu berücksichtigen:die meisten behaupten, das Gewächs sei im Herbst weniger kräftig, und nur im Frühjahr stark wirkend-Stoltze 1 ) dagegen versichert das Entgegengesetzte, indem die im Herbste gesammelten Zwiebeln viel bitte-rer wären und gerieben einen stärkern, rettigartigen Geruch verbreiteten, und viel mehr bitteren Extractivstoff,Stärke, weiches Harz, tragantähnlichen Stoff und flüchtige Theile enthielten, die vom Früjahr aber mehrschwerlöslichen Extractivstoff, Zucker, Schleimzucker u. Faser.
Anwendung, Das Gewächs ist jetzt nur im medizinischen Gebrauch, namentlich werden Zwiebelnund Samen in verschiedener Form und Gaben angewendet. Neuerlich haben unter den Engländern besondersScudamore, Williams, Home, Want u. 6. w. und unter den Deutsehen vorzüglich Störck 4 ) undConspruch sie als Specificum in der Gicht gepriesen, da sie nicht die Verdauung so sehr stöhrt, wie dieMeerzwiebel und mehr abführend wirkt. Raven 5 ) lobt sie auch in chronischen Nervenkrankheiten wieVeitstanz, Hysterie u. s. w. Williams 6 ) zieht die Samen der Wurzel vor, die Meisten aber gebrauchenmehr die Zwiebel, und zwar von beiden bald die Tinctur, oder von letzterer das Pulver, das Extract, Oxy-mell oder einen Wein, t— Die Türken sollen aus den mit Wein angesetzten Blumen ein eignes berauschen-des Getränk bereiten 7 ). *»■ Die Blätter brauchte man sonst zum Färben der Eier, und aus der Zwiebelsoll sich eine gute Stärke bereiten lassen ').
Gegenmittel. Pflanzensäuren reichlich angewendet, schleimige, ölige und mit Milch (besondersfrischgemolkener, warme) versetzte Getränke in Menge gereicht, auch nach Umständen Opium und andereantispasmodica leisten die zweckmässigste Hülfe. Zur Vorbauung des Missbrauchs last sich in Gegenden, wo
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dabei milde seyn. — Die Blätter läfst das Vieh auf den Wiesen unangerührt; mit denselben soll man dem Rindviehauch die Läuse vertreiben. Gmelin S. 209.
') Schweitz. Gesellsch. f. Naturwis. Febr. 1820. S. 60. — 2 ) a. a. O. S. 205. — Siegesbeck Mise. Vratisl.1723. S. 679. — Peyer Paeon. et Pylhag. exercic. anat. Basil. 1682. Exerc. 50. — Agric. Ammon. Med. herbar.L. II. Basil. 1539. S. 90. — Kopf Comment. v. n. Arzneih. Tiibing. B. VI. S. 318. — ») Berlin. Jahrb. Jahrg.19. 1818. 8. S. 107. u. J. 20. S. 135. — Ha den pract. Observ. on the Cohh. Lond. 1S20. 8. und mehrere EnglischeÄrzte erwarten auch größere Wirksamkeit im Herbste. Haller {Stirp. Helv. p. 283.) dagegen schmeckt» von derZwiebel im Herbste gar nichts und Want behauptet, dem Vieh sei die Pflanze nur im Frühjahr schädlich, wenn derSame reif (?) sei Trommsd. Journ. B. 25. Sc. 2. — *) Störck lihellus quo demonstratur Colchici auiumnalis radi-cem etc, Vindob. 1763. p. 8. — 5 ) Lond. medic. rejios. Aug. 1820. Jan. 1821. — 6 ) Lond. med. and phys. Journ.Lond. 1817. 8. Zusammengetragen findet sich das Neueste in: Creutz diu. de Colch. aut. Berol. 1826. 8. und inWolf de Colch. utu med, Berol. 1818. 8. — 7 ) Gmelin S. 209. — ") Parmentier Avantcour. 1773.