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Agnes Bernauerin : Ein vaterländisches Trauerspiel
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60
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den können, was ich fühle? bin ich denn nicht seinSohn? hat er nicht schon sein Leben für meines gewagt?

^). Zcncser. Gnädiger Herr! damals galls euch,euer Leben, seinen Sohn. Aber jezt —

Z!br. Gilts mehr als mein Leben.

Z- Zcnger. Das denkt Ernst nicht; er kann's nicht:es läßt sich nicht denken, nur empfinden, und das nurvon euch.

^cfncs. Was sollte er denn wollen mit mir? miteinem harmlosen Weibe? das nicht schuf ihr Herz; sichnicht gab ihre Liebe: Gegenliebe freilich nicht verdien-te; freilich doch wünschte, aber nicht suchte; die dasward, wozu sie Gott, er allein bestimmt hatte, und-as sie bleiben muß, bis sie nicht mehr ist.

j). Acngcr. Oh! es giebt der Ränke und Schwan-ke viel in Gesetzbüchern; und wer hat je der FürstenGesetzbuch gelesen?

Llbr. Ich bin auch ein Fürst, und kenne die Ge-setze die uns Gott ins Herz schrieb, als er uns schuf;worüber er zum Wächter däs Gewissen sczte. — Wennauch der ganze Rath dawicdcr sich empörte, wird meinVater die Stimme des Blutes nach verbraustemSturme der Leidenschaft hören, so wie ich nun die hö-re, der kindlichen Pflicht. Man kann zürnen über ei-nen Vater, aufstehen gegen seine Gewalt; aber nurein Verruchter kann dem Scgcnsblicke des ausgesöhn-ten Vaters widerstehen,

Zcngcr. Ihr verdientet, gnädiger Herr! einenVater zu haben mit einem Herzen, wie das eurigc.

2l!br.