Am VLerzchenden Sonntag nach Pfingsten.
dieser Weit; deshalben schreye er: OVetter Abrahanr erbarme dichmeiner! ach schicke den Laza-rum/ daß es den äussersten Theilseines Fingers in das Wasser ein-duncke / und meine Zungen er-frische ! aber auch dieses einzige Tröpf-lein wurde ibme versagt: warum?darum: Spricht Olossa 0,-ciin. hierü-ber: ali exrreino cligiri le rLngi clelicle-r^c, guia oyrac jukorum ullima parri-
cipare. er verlangt von dem äus-sersten Theil nur des Fingers be-rührt zu werden / weil er wün-schet / stur des geringsten Trostsder Geeligen theilhafftig zu seyn.Durch jenes Tröpflein Wassers / so derreiche Prasser in der Hält verlanget/wird verstanden der äusserste Theil derhimmlischen Freuden / so die Gerechtengemessen / dieser aber wurde ihme abge-schlagen / weil keiner zwey Himmel be-kommt ; er hatte auf dieser Welt lauterWollüste genossen / Lazarus aber hatteviel Übels gedultet / deshalben ist dieserin den Himmel erhöhet / jener in dieHöll vergraben worden; O wer Ohrenhat der höre / und diene seinen GOTTund HErrn allein und emsig ; es schadetnichts / wann es schon hart ankommt /GOTT gibt den Himmel darfür! diesesverlangte der himmlische Bräutigam vonseiner geliebten Braut / da er zu ihrgesprochen Lanr. z- pone ms üc lizna-culum Lor ruum. Setze mich wieein Siegel auf dein -Hertz.Ais wolle er sagen: wann du o Gespcnsmeiner genießen wilst in dem Himmel /so must du dein Hertz mit mir sechstenbezeichen / und bemercken / selbiges alleinauf mich richten.
Es scheinet/ er wolle hier den Him-mel mit einer Vestung vergleichen : vordieser haben die wachende Soldaten ge-wisse Zeichen und Parol / wer dieseZeichen nicht hat / oder die Parol nichtweiß / wird als ein Feind abgetrieben /und mit nichren in die Vestung einge,lasten. Eben also verlanget der Bräu-tigam von seiner Geliebten / sie solle emgewisses Zeichen tragen / daran sie er-kennet / und in den Himmel eingelassenwerde; dieses Zeichen aber ist kein an-deres / als die Tugend / der Abbruch/Fasten / Allmosen geben / Abtödrung desFleisches / Gedult in Armut und Wi-derwärtigkeit rc. wer mir diesen Zeichenfür die Himmels-Thür kommet / wirdals ein geliebte Gespons eingelassen wer-ben ; wer aber nicht mit der Tugend /sondern mit denen Lastern/ nicht mit dem
Abbruch / sondern mit dem Fraß / nichtmit der Keuschheit sondern mit der Leicht-fertigkeit bezeichnet ankommet / der wirdvon der himmlischen Vestung abgetrie-ben / in den Himmel nicht eingelassenwerden / dann keiner wird hier der Welt-Freuden / der fleischlichen Wollüsten /und hernach der Ergötzlichkeiten des Him-mels gemessen / keiner bekommt denHimmel. Dahero meine liebe Zuhö-rer ! Lasset uns auf dieser Welt GOTTdienen / unsern bösen Gelüsten und Be-gierden einen Abbruch thun / wann es
schon einen Gewalt brauchet / grosseMuhe kostet / schadet nichts / es mußuns hie übel geben / wann wir den Him-mel und die ewige Seligkeit erlangenwollen / der nur der Welt und demFleisch dienet/ der kommt nicht zu GOtt mden Himmel / dann der H David verglei-chet unsern Gott einem Einhorn : Lcii6-cavir licuc um'corm'um s3n<Ii6cium luum
?s. 77. Er bauete sein Heiligthumwie der Einhorn; warum dieses?lncvgm'm8 saget/daß das Einhorn sol-cher Natur seye / daß es kein Thier inseiner Wohnung einlasse / als welchesihme gleich / und von seinem Geschlechtseye ? eben so ist beschaffen unser GOTTund HErr! Er hat für ftine Wohnungden Himmel / in diesen lasset er keinenzu sich kommen / der ibme nicht gleichein der Tugend. GOTT ist die Gerech-tigkeit / wer sich dann aus Erden mit un-gerechten Gütern bereichet / der erlangetdie Schätz des Hunmcls nicht. GOTTist die Lieb/ wer dann ohne Lud und
Barmhertzigkeit gegen die Armen / ihnendas Blut aus den Adern heraus sauget/Wittwen und Waysen unterdrücket / derwird in den Himmel nicht eingehen;GOTT ist die Keuschheit / dahero werunkeusch lebt / mit den fleischlichen Wol-lüsten sich crsättiget / der wird von derhimmlischen Tafel ausgeschlossen werden;dann wer GOTT will gemessen / dermuß auch in GOTT allein seinen Trostsuchen / der muß GOTT allein dienen!O seynd wir nicht närrisch und verbünd-te Menschen / daß wir unser Freud undewige Secligkeil um so kurtze schnöde/zugängliche Wollüsten des Fleisches/ derWelt hingeben / und so liederlich ver-schätzen ?
Dem Heil. Paulo gehet dieses tiesszu Hertzen/ dahero ermähnt er alle 2. aäT t z Lor.