ten uns Neuern in den Alten noch entschlüpfen! wieweit sie in Syntax, Prosodie, Synonymik, Perioden-bau und in der ganzen Philosophie der Rede, das heifst,der zur Darstellung der Ideen durch Worte ausgebilde-ten Sprache, so wie in der Lehre von dem Wohlklang,von der Aussprache, von der Deklamazion und Panto-mime, vor uns sind! wie viel wir noch zu thun haben,ehe wir alle ihre Feinheiten in diesen Gattungen auchnur verstehen , geschweige dann , ehe wir sie auf unsreneuere Sprachen praktisch anwenden! Denn dafs wirdie Alten in allgemeinen Sprachuntersuchungen übertref-fen, die ohne Zweifel gründlicher, umfassender, viel-seitigersind, als die ihrigen , werde ich nie leugnen.
Die poetische Diklion der Griechen und Römer alleinschon verdiente der Gegenstand philosophisch-kritischerUntersuchungen irgend eines feinen Sprachkünstlersund Alterthumskenners zu werden. Denn gerade diepoetische Dikzion der alten Sprachen ist eine der be-wundernswürdigsten Seiten der alten und eine dermangelhaftesten der neuern Sprachen: und giebt zu-gleich Anlafs zu den mannichfaltigsten Erörterungenüber die ausgesuchtesten Feinheiten der Rede, d. h.der Kunst zu reden und zu schreiben.
,Und wenn jemand eine noch immer ungeschrie-bene philosophische Geschichte des Geschmacks bearbei-ten wollte,- ein Werk, welches, bearbeitet wie es bear-beitet werden kann und mufs, für die gesummte Aesthe -,tick eben das-und noch mehr werden müfste, was Win-kelmanns Geschichte der Kunst für die Kunst selbst ge-worden ist, oder vielmehr werden sollte: welche
Epoche menschlicher Entwickelungsgeschichte bietet zudiesem Werk reichhaltigem Stoff dar, als die Geschichtegriechischer und römischer Kunst, Wissenschaft, Sit-ten und Lebensweise ?
Denn