Zwei Briefe des Kurfürsten Max Franz von Köln. 2äl
lange wie irgend möglich, die Hoffnung auf Wiederge-winnung des Erzstifts fest, allein weder diese noch die Ver-wirklichung seines letzten Lieblingsplanes, der Errichtungeiner Kur Westfalen, 1 ) war ihm beschieden.
i. Copia Handschreibens Sr. Churf. Durchl. an den
Reichstagsgesandten Frhrn. v. Karg, d. d. Mergentheim
d. 27. November 1794.
Ihr Schreiben vom 24ten habe Ich richtig' erhalten; und Ichhoffe, dass Sie nunrnehro auch Mein Rescript vom 20tcn und MeinHandschreiben vom iMten erhallen haben werden. Auf die weitemBedenklichkeiten des Hrn. Concomniissarii kann Ich auch geschehenlassen, dass die Bedingniss der Anerkennung der französischen Republikin Meinem Voto eben nicht ausgedrückt werde; indosso wird siedoch vor wie nach eine conditio sine qua non bleiben, ohne welchedie Franzosen wohl nie zur Wiedergabe der von ihnen erobertendeutschen Provinzen zu bewegen sein worden. Ich für Meine Persongehe immer von dem Grundsätze aus, dass das Deutsche Reich keinRecht noch Grund gehabt habe, sich in die innern Verfassungs-I [ändel Frankreichs mit gewaltsamer Hand zu mischen. Das DeutscheReich konnte und musste sich seiner von Frankreich betäubten undin ihren Rechten gekränkton Fürsten annehmen und konnte ihnenErsatz für die friedenswidrig entzogenen Vorrechte und Einkünftefordern, auch den Rovolutionsschwarm von seinen Grenzen einzu-dringen abhalten. Was Oesterreich, Spanien, England, Preussen,Neapel, Sardinien nach ihren monarchischen Staats- und Familien-Interessen dabey zu thun hatten, gehört nicht hieher zu untersuchen.Wohl aber habe ich stets bedauert, dass man das Interesse desdeutschen Staatskörpers in jenes dieser Mächte eingeschmolzen habe,wodurch der eigentliche Gesichtspunkt des deutschen Staatsinteresseverschwunden und selbes in alle unselige Folgen des Krieges mitverwickelt worden ist. Ich habe bis auf den heutigen Tag nochkeine bewaffnete Zusammenrottung französischer Unterthanen gegenihr Vaterland in Meinen Landen gestattet, obgleich Ich die erbarmens-würdigen Opfer der Revolution desselben, besonders den waffenlosengeistlichen Theil derselben, jederzeit bedauert und nach Kräften derenElend zu mildern gesucht habe. Der Anlass zu diesem in seinerArt ganz besonderen Revolutionskriege liegt in Bedrückungen unddem freiheitsschwärmerischen Geiste des Zeitalters. Deutschland
b Vgl. hierüber die Abhandlung „Die letzten Schicksale des KölnischenErzstifts und Domkapitels" in der „Zeitschrift für Preuss. Geschichte undLandeskunde", Bd. 12, S. 2 IT.