Litterarisches.
1. IItgen,Fr,, Die Ansiedlungen amNiederrlieiii von der Lippemünduiigbis zur holländischen Grenze. Mit einer Karte. Inaugural-Dissertation, Halle 1892.
Die vorliegende Abhandlung' sucht den Einfiuss der so mannig-fachen Veränderungen unterworfenen Stromverhältnisse des Nieder-rheins auf die Entstehung' und Entwicklung- der menschlichenAnsiedlungen für die Strecke von der Lippemündung- bis zurholländischen Grenze zu bestimmen. Sie zerfällt in drei Theile.Der erste Theil (S. 5—18) giebt einen kurzen Ueberblick über diephysische Beschaffenheit des Gebietes, die wichtigsten Veränderungendes Rheinlaufes und die ethnologischen Verhältnisse. Im zweitenTheile (S. 18—37) verfolgt der Verfassser die dortigen Ansiedlungenin ihrer historischen Entwicklung. Diese beschränkten sich invorrömischer Zeit in Folge der sumpfigen Natur der Rhein-niederung fast ganz auf die Randhöhen; nur hier, wo man einer-seits den Gefahren der Ueberschwemmung nicht ausgesetzt war,andererseits die Vortheile der Flussnähe genoss, finden sich Gräberund Reste von Walleinschlüssen jener Zeit. Die keltischen Orts-namen des Gebietes berücksichtigt der Verfasser nicht. Weit zahl-reicher sind die Spuren der römischen Ansiedlungen, welchebesonders durch die Localforschuugen Schneider's und v. Veith'saufgedeckt worden sind. Sie dienen zunächst nur militärischenZwecken. Der Verlasser untersucht jedesmal die Gründe, welchezur Anlage, einer Befestigung an einem bestimmten Punkte führten,und weist nach, wie meisterhaft die Römer überall die natürlichenBodenverhältnisse für ihre Zwecke auszunutzen verstanden. DasHauptbollwerk auf der linken Rheinsoite, Castra vetera, wurdevon Kaiser Augustus 18 v. Chr. zum Zweck der Offensive auf demFürstenberge bei Xanten errichtet; von hier aus beherrschte mandie Mündung der Lippe, deren Thal der natürliche Weg für dierömischen Heere zur Weser und Elbe hin bildete, und hatte zugleichin Folge des nahen Zusannnentretens der beiderseitigen Uferhöhenan dieser Stelle den kürzesten Uebergang durch die sumpfigeRheinebene. Der Monreberg bei Calcar galt in erster Linie derDefensive der Rheinlinie gegen die vordringenden Germanen im3. und i. Jahrhundert. Auch attf dem Boden des heutigen Clevescheint nach den dortigen Funden eine römische Befestigung(Arenacum?) gestanden zu haben. Auf der rechten Rheinseitegab es nur eine grössere Befestigung auf dem Eltenberge beiEmmerich. Nahe dem Theilungspunkte des Rheines gelegen, hattesie den Zweck, die Ausrüstung und Bemannung der römischenFlotte zu schützen, welche sich am Anfang der batavischen Inselzu versammeln pflegte, um von hier durch die fossa Drusiana indie Nordsee zu seg-eln. Neben diesen bedeutenderen Anlagen