Druckschrift 
6 (1891) Große Ethik [u.a.] Metaphysik
Entstehung
Seite
29
Einzelbild herunterladen
 

39

sie sind nichts desto weniger, während der Schall, wenn auch derSchlag schon geschehen ist, doch noch nicht beim Gehör angelangtist. Dieß wird anch deutlich bei der Verwandlung der Buch-staben, welche zeigt, daß die Fortbewegung im Medium stattsin-det: denn nickt, das Gesagte hat man doch wohl vernommen,weil die in Bewegung befindliche Lust sich verwandelt. Ist esnun so auch bei der Farbe und beim Licht? Denn doch nichtdurch ein gewisses Verhalten geschieht es, daß das eine sicht, dasandere gesehen wird, wie sie ja gleich sind; denn es braucht nichtjedes für sich irgendwo zu sein; für gleiche Dinge macht es janichts aus, ob sie nahe oder bei einander oder fern von einandersind. Doch ist es beim Schall und beim Geruch begreiflich, daßes so ist: denn wie die Luft und das Wasser sind sie zusam-menhängend, aber doch ist die Bewegung beider getheilt. Daherkommt es, daß der Erste und der Letzte bisweilen ebendasselbehören und riechen, bisweilen aber auch nicht. Nun scheintManchen noch eine Schwierigkeit vorhanden zu sein über folgen-den Punkt: Manche sagen, es sei unmöglich, daß der Eine eben-dasselbe höre oder sehe oder rieche wie der Andere; es sei ja nichtmöglich, daß Viele, die getrennt von einander seien, dasselbe sehenund riechen, sonst müßte ja das Eine von sich selbst getrennt sein.Es ist wohl so, daß das zuerst Bewegende, wie z. B. die Glocke,den Weihrauch, das Feuer, Alle als identisch und der Zahl nachEines wahrnehmen, das Eigenthümliche aber als ein der Zahlnach Anderes, der Art nach aber Identisches, weßhalb denn Vielezugleich sehen, riechen und hören. Man hat aber hiebei wederKörper, vielmehr eine Affektion und Bewegung, sonst würdees nicht so sein noch etwa? Körperliches. Mit dem Licht aberhat es eine andere Bewandtniß; das Licht ist Licht durch eingewisses Sein, nicht eine Bewegung. Ueberhaupt ist es nicht dasGleiche mit der Verwandlung und der Fortbewegung; denn dieörtlichen Bewegungen gelangen natürlich zuerst in das Medium,(so scheint der Schall die Bewegung von etwas örtlich sich Ver-änderndem zu sein), anders aber ist es bei dem, was sich ver-wandelt; es ist ja möglich, daß es im Ganzen zumal sich ver-wandelt, nicht die Hälfte zuerst, wie z. B. das Wasser zugleich