Druckschrift 
4. Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849 Th. 3 (1886) Der ungarische Winter-Feldzug und die octroyirte Verfassung, December 1848 bis März 1849
Entstehung
Seite
239
Einzelbild herunterladen
 

Majvr Heydte an der großen Kockel.

239

und Kinder auf Wagen und Schlitten, und zahllose Flüchtlinge, vor sichOchsen und Kühe, Schafe Ziegen Schweine hertreibend, zur andern Seiteaus den Stadtthorcu hinausdrängten. Kiss hielt strenge Mannszucht; nurin Häusern deren Bewohner geflohen fielen Gewaltthätigkeiten vor,wurden Thüren und Behältnisse erbrochen, in die Keller und Speise-kammern gedrungen, auch sonst geraubt und geplündert.

Die Bewegung des Obstl. Kiss hing offenbar mit einer andern zu-sammen, die von der entgegengesetzten Seite ein und dasselbe Ziel imAuge hatte. Wir haben Bem am 12. Februar in Blutroth verlassen,von wo er am andern Tage den Troß mit den Kranken und Verwun-deten über Funzendorf und Tur nach Blasendorf sandte und weiter dieRichtung über Thorda nach Klausenburg cinschlagen ließ. Er selbst mar-schirte über Fahersdorf Rothkirchen Schölten Appesdorf in das Thal dergroßen Kockel, nahm hier den seit der Niederlage bei Salzburg von ihmgetrennten Major Zsurmay auf, und wandte sich nun gegen Mediaschvon wo sich Heydte gegen Schäßburg zurückzog. Auch hier war Hcydte'sBleibens nicht; denn schon rückte Kiss Sandor, nachdem er den Repscrneine Brandschatzung von 15.000 fl. auserlegt, gegen das Thal der großenKockel heran, 15. Februar. Die Schäßburger zeigten sich anfangs ent-schloßen im Verein mit der kaiserlichen Besatzung ihre Stadtbis aufden letzten Blutstropfen" zu vertheidigen. Allein Heydte überlegte daß,wenn er auch im Stande wäre den Szsklcrn Kiss' eine Zeit die Spitzezu bieten, Bem nicht zaudern würde mit seiner ganzen Macht heran-zuziehen welcher die Kaiserlichen auf keinen Fall gewachsen waren. Soerfolgte denn am 16. 4 Uhr morgens der Ausmarsch der Garnison und500 Mann städtischer Nationalgarde auf der Hcrmannstädter Straße überTrnppold Henndorf Neithausen nach Agncthlen (Sz.-^gotha); hier bliebbis auf weiters die Schäßburger Bürgerwehr, während das Militair amandern Tage seinen Marsch über Groß-Schenk nach Fogaras fortsetzte.

Am Abend desselben Tages da Heydte Schäßburg verlassen hattekamen fünf Reiter in die Stadt gesprengt und kündigten den Anmarscheines Corps von 17.000 Mann an, für die Quartier gemacht undLebensmittel in Bereitschaft gehalten werden müßten; aber erst am 17.mittags marschirte Kiss mit 2 Compagnien in Schäßburg ein und zog,nachdem er der Stadt Lieferungen von Brod Speck und Wein und eineBrandsteuer von 10.000 fl. auferlegt, um 2 Uhr nachmittags wieder ab;am Abend erschienen 9 Compagnien die am Morgen des 18. wieder