sittlich gut sind sie nicht. Denn es kommt ihnen das Sittlichenicht um seiner selbst willen zu und es ist ihnen nicht um dassittlich Gute zu thun, und sittlich ist für sie nicht bloß das sitt-lich Gute, sondern auch das, was von Natur nicht sittlich, son-dern nur natürlich gut ist. Sittlich sind die Handlungen da,wo der Zweck des Handelns und Wollens sittlich ist, weßhalbfür den sittlich Guten das natürlich Gute sittlich ist; sittlich istnun aber das Gerechte, d. h. das Gebührende, und dieses ge-bührt dem sittlich Guten. Auch das Geziemende ist sittlich unddieses geziemt dem sittlich Guten, wie Reichthnm, edle Geburtund Macht. So ist für den sittlich Guten Eins und dasselbenützlich und sittlich, während in der Regel hier ein Zwiespaltstattfindet. Denn für die Meisten ist nicht das schlechthin Gutegut, wohl aber für den sittlich Guten, für welchen es auch sitt-lich ist, denn er hat um desselben willen viele sittliche Handlungenvollbracht. Wer dagegen meint, man müsse die Tugenden umder äußern Güter willen besitzen, bei dem sind die sittlichen Hand-lungen nur etwas Accidentelles. So ist also die sittliche Gütedie vollendete Tugend.
Auch von der Lust ist die Rede gewesen und es ist gezeigtworden, worin sie besteht und in wiefern sie gut ist, ebenso daßdas schlechthin Angenehme auch sittlich und das schlechthin Guteangenehm ist. Lust ist aber nur möglich, wo Handlung, Akti-vität ist; daher der wahrhaft Glückliche auch das angenehmsteLeben hat, und es ist dieß eine Anschauung, welche ihren gutenGrund hat.
Es hat nun aber z. B. auch der Arzt einen Begriff vorsich, nach welchem er das beurtheilt, was für den Körper gesundist und von welchem es auch abhängt, wie weit er in seinen Ver-ordnungen gehen darf, um den Körper gesund zu machen; thuter mehr oder weniger, so hilft es nicht mehr: ebenso muß nunauch der Tugendhafte hinsichtlich des Vollbringens und Wählensdes zwar natürlich Guten, aber nicht Lobenswerthen einen Begriffhaben, welcher das Verhalten und Wählen bestimmt, und so auchda, wo es sich um Vermeidung des Zuviel und des Zuwenigvon Besitz und äußerem Glück handelt. Es ist nun schon früher