133
auf die Gottheit zurückzuführen. Die Gottheit ist es, welche dasZukünftige wie das Gegenwärtige richtig erschaut, auch das, wo-mit unsere Vernunft nichts zu thun hat. Daher haben auch dieMelancholischen richtige Träume. Denn es hat offenbar diesesPrincip eine stärkere Wirknng, wo das vernünftige Denken garnichts zu thun hat, es ist wie bei den Blinden, welche ein stär-keres Gedächtnis; haben, weil sie von dem das Sichtbare Beglei-tenden ganz losgemacht sind, so daß das Organ des Gedächtnissesstärker ist. Man sieht also deutlich, daß es zwei Arten von Glückgibt, die eine Art ist die göttliche, weßhalb der Glückliche offen-bar seine Erfolge der Gottheit zu verdanken hat; die andere Artist die natürliche. Bei der letzteren Art beruhen die Erfolge aufdem Trieb, bei der erstereu stehen sie mit dem Trieb in Wider-spruch; vernünftiges Denken aber fehlt in beiden Fällen. Dieeine Art ist mehr continuirlich, die andere nicht.
Drittes Kapitel.
Von der sittlichen Güte und Vollendung, als dem Produkt der einzelnenTugenden, höchstes Ziel derselben ist die Erkenntlich und Verehrungdes göttlichen Wesens.
Im Bisherigen haben wir uns mit den einzelnen Tilgen-den speciell beschäftigt; nachdem wir nun die jeder inwohncndcPotenz jede für sich besonders dargestellt haben, so müssen wirnun auch noch näher eingehen aus diejenige Tugend, welche dasProdukt der einzelnen Tugenden ist nnd welche wir als die sitt-liche Güte, die sittliche Vollendung bezeichnet haben'). Es istnun klar, daß derjenige, welcher auf diese Bezeichnung mit RechtAnspruch machen will, nothwendig die einzelnen Tugenden besitzenmuß. Anders ist es ja auch bei andern Gegenständen nicht denk-bar ; z. B. Keiner kann gesund sein am ganzen Körper, währender in keinem Theil gesund ist, vielmehr müssen nothwendig alleTheile oder doch die meisten nnd vorzüglichsten sich ebenso ver-
i) Wo, ist nicht klar, da eine solche Stelle sich in der Eudem. Ethik nichtfindet.