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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Grund liegt nicht in dem Schiff selbst, sondern darin, daß cseinen guten Steuermann hat. In gleicher Weise nun könnteman sagen, daß der Glückliche einen guten Steuermann hat ander Gottheit. Allein es wäre doch widersinnig, wenn die Gott-heit oder ein höheres Wesen einen Solchen lieben wollte, anstattden Tugendhaftesten und Verständigsten. Muß nun nothwendigder Erfolg beruhen entweder auf der Natur oder auf der Ver-nunft oder auf göttlicher Vorsehung, und sind die beiden letz-teren nicht anzunehmen, so folgt, daß das Glück in der Naturseinen Grund hat. Allein dasjenige, wofür der Grund in derNatur liegt, ist etwas, was entweder immer auf gleiche Weiseoder was doch gewöhnlich geschieht, mit dem Glück dagegen hates die entgegengesetzte Bewandtniß. In diesem Fall also müßtedem Glück der unberechenbare Erfolg zugeschrieben werden. Wennaber Einer glücklich ist deßwegen, weil das Glück oder Schicksalihm günstig ist, so hätte man damit doch wohl eine Ursache,aus welcher nicht das immer so Seiende oder das gewöhnlich soSeiende folgen könnte. Muß ferner jemand Erfolg, resp. keinenErfolg haben deßwegen, weil er von der und der Beschaffenheitist, wie z. B. Einer nicht scharf sieht, weil er blaue Augenhat, so ist also die Ursache nicht im Schicksal oder Glück,sondern in der Natur zu suchen; also ist ein Solcher nicht vomGlück, sondern von der Natur begünstigt. Somit kämen wirauf die Folgerung, daß diejenigen, welche glücklich sind, cs nichtsind um des Glückes willen. Also sind sie auch nichtglücklich",denn vom Glück ist nur da die Rede, wo die Ursache des Guteneben im Glück zu suchen ist. Ist es aber so, so erhebt sich dieFrage, ob es überhaupt kein Glück gibt, oder ob es zwar einesgibt, aber so, daß es nicht als Ursache anzusehen ist? Allein esmuß nothwendig ein Glück geben, das zugleich auch Ursache ist.Somit wird dasselbe auch für die einzelnen Menschen Ursache desGuten und des Uebels sein. Ob man aber ganz vom Glückoder Schicksal abzusehen und anzunehmen hat, daß gar nichts indemselben seinen Ursprung habe, ob wir vielmehr nur das Glückals Ursache annehmen, während die wahre Ursache eine ganz an-dere ist, die sich unserem Blick entzieht, (weßhalb man ja auch

Aristoteles' Endemische Ethik. 9