Druckschrift 
1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
Seite
127
Einzelbild herunterladen
 

127

dem unvernünftigen Theil befindliche Zuchtlosigkeit zu maßvollemHandeln bestimmen könnte, worin eben die Selbstbeherrschung be-steht. Also müßte es auch möglich sein, von der Unwissenheitans verständig zu handeln. Allein das alles ist widersinnig, zu-mal daß man von der Unwissenheit einen verständigen Gebrauchmachen sollte; wir sehen ja so etwas bei keinem andern Gegen-stand, wie daß die Heilkunde oder die Sprachwissenschaft durchZuchtlosigkeit verkehrt würde. (Jedenfalls ") wer die Unwissenheithat, welche der Vernunft entgegengesetzt ist, wird, sobald dieselbedas Uebergewicht über die Tugend bekommt, mehr zum Schlechtengeneigt sein.) Denn auch der Ungerechte kann alles, was derGerechte, und überhaupt liegt im Vermögen das Unvermögen.Somit ist klar, daß die Zustände des vernünftigen Theils derSeele zugleich verständig und gut sind, und es ist ein richtigesWort des Sokrates, wenn er sagt, nichts sei stärker als die Klug-heit. Nur hätte er nicht sagen sollen, die Klugheit sei ein Wissen;sie ist eine Tugend, nicht ein Wissen, sic ist also der Art nachvom Wissen zu unterscheiden.

Zweites Kapitel.

Berhältniß von Glückseligkeit und äußerem Glück.

Da nun nicht bloß die Klugheit und die Tugend es ist,was das Wohlbefinden hervorbringt, sondern nach allgemeinerAnschauung auch die, welche äußerlich Glück haben, sich Wohl-befinden, wobei also vorausgesetzt wird, daß auch das äußereGlück, der Erfolg, das Wohlbefinden hcrvorbringe und somitdieselben Wirkungen habe, wie das Wissen so müßen wir dieFrage untersuchen, ob der Eine von Natur glücklich, der Anderevon Natur unglücklich ist in dem Sinn, daß das Schicksal ihnbegünstigt, resp. nicht begünstigt, oder ob es nicht so sich verhält,und was man überhaupt von diesem Punkt zu halten hat. DaßManche vom Glück begünstigt sind, ist eine alltägliche Erfahrung;

Dieser Satz ist im Text so corrupt, daß eine Herstellung nicht möglich

erscheint.