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Eilftes Kapitel.
Don der Collision der Pflichten in der Freundschaft.
Hat man einen tugendhaften Freund, dessen Freundschaftans der Tugend beruht, so ist die Frage, ob man diesem dasNützliche zu erweisen und ihm beiznstehen hat oder dem, welcherGegenleistungen macht und machen kann? Es ist dich die gleicheFrage wie die: ob man dem Freund oder dem Tugendhaftensich mehr hilfreich erweisen soll? Ist etwa Einer unser Freundund tugendhaft zugleich, so erledigt sich die Frage ganz leicht,sobald man nur nicht die eine Qualität zu hoch steigert, dieandere zu sehr herabsetzt, d. h. das Moment der Freundschaftzu hoch taxirt, während man die Tugend zu gering anschlägt.Im andern Fall aber gibt es eine Menge kritischer Punkte,z. B. wenn der Eine unser Freund war resp. tugendhaft war,es aber nicht sein wird, während der Andere es sein wird, esaber noch nicht ist, oder wenn der Eine es gewesen ist, es aberjetzt nicht ist, während der Andere cs ist, aber es nicht war nochsein wird, jenem gegenüber aber die Schwierigkeiten größer sind').Es hat doch wohl Enripides rechts, wenn er sagt:
„Wer Worte gibt, erhält das Wort mit Recht zum Lohn:die That sei Lohn für den, der Thaten geben kann^)."
So darf man ja nicht alles nur dem Vater thun, sondern Man-ches auch der Mutter, wiewohl der Vater vorzüglicher ist. Janicht einmal dem Zeus bringt man alle Opfer dar, nicht alleEhren hat Zeus ausschließlich, sondern nur gewisse. So mages nun auch sein, daß man gewisse Pflichten hat gegen denNützlichen und andere wieder gegen den Tugendhaften; z. B.wenn uns Einer Speise und überhaupt das Unentbehrliche gibt,so braucht man mit diesem nicht sofort in täglichen Umgang zu
>) Di- Stelle wohl lückenhaft.
In einem Fragment aus einer nicht zu bestimmende» Tragödie.