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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Interessen irgendwie einander gegenüber, so stellt es sich klarheraus, daß es ganz anders ist. Denn die Meisten halten esfür einen Luxus, dem sittlich Guten nachzugehen und also auchder edleren Freundschaft. So sicht man also deutlich, wie manhier zu unterscheiden hat. Ist die Freundschaft eine sittliche, sofragt es sich, ob der Vorsatz der gleiche ist, und weiter hat keinervom Andern zu fordern. Ist aber die Freundschaft eine bür-gerliche, auf den Nutzen begründete, so ist für die Verbindungeben das Interesse maßgebend. Will aber der Eine so, derAndere so, so ist es jedenfalls nicht am Platz, nur schöne Wortezu machen, ohne entsprechende Leistungen "). Und so ist's auchbeim andern Theil. Allein da der sittliche Gesichtspunkt in derUcbereinkunft nicht förmlich aufgestellt wurde, so muß man fra-gen, was jeder ohne Ausrede zu leisten hat, um nicht denAndern zu betrügen. Und so muß jeder mit dem sich begnügen,was ihm zufällt. Daß aber die sittliche Freundschaft den Vor-satz in erste Linie stellt, ist klar, denn auch wenn Einer, derviel empfangen hat, es nicht erwidert, weil er eben nicht kann,sondern nur soviel erwidert, als seine Mittel erlauben, so ist esdoch gut; auch die Gottheit läßt es sich ja gefallen, sülche Opferentgegenzunehmen, wie sie den Mitteln des Opfernden entsprechen.Dagegen ein Verkäufer könnte nicht zufrieden sein, wenn einKäufer sagte, er könne eben nicht mehr geben, und ebensowenigEiner, der ein Darlehen zu fordern Hot.

Viele Streitigkeiten kommen vor bei solchen Freundschaften,wo beide Theilc sich nicht das Vcrhältniß recht deutlich gemachthaben; hier ist es nicht leicht zu erkennen, was recht ist. Esist nemlich bedenklich, bei einem Verhältnis;, welches jeder Theilin anderem Sinn aufgcfaßt hat, denselben Maßstab anzulegen,wie dich bei Liebesverhältnissen der Fall ist. Der Liebendenemlich geht dem Andern nach, weil er von demselben Lust imUmgang erwartet, während der letztere den Liebenden oft nurdeßhalb annimmt, weil er sich Vortheil von ihm verspricht.Wenn nun der Liebende aufhört zu lieben, weil der Geliebte sich

>) Ich lese: nv c>H, rovx. . .