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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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hat. Es gibt aber auch hier wieder besondere Modificationen:anders ist das Verhältniß des Vaters zum Sohn, als das desMannes zur Frau: letzteres ist das Verhältniß zwischen demHöheren und Niederen, jenes entspricht dem Verhältniß des Wohl-thäters zum Gegenstand seiner Wohlthaten. In allen diesenFällen findet Erwiederung des Freundschaftsgefühls entweder garnicht statt oder nicht in derselben Weise. Es wäre ja lächerlich,wenn ein Mensch der Gottheit Vorwürfe machen wollte, daßdieselbe die Freundschaft nicht in derselben Weise erwiedcrt, oderwenn der Niedere dem Höheren dieß vorwerfen würde. Denndem Höheren kommt es zu geliebt zu werden, nicht zu lieben,oder wenn dieß, so doch in anderer Weise. Indessen die Lust,welche der Selbstgenügsamc hat an seinem Eigenthum, oder derVater an seinem Kind, unterscheidet sich nicht von der Lust,welche der Bedürftige über dem empfindet, was er empfängt.Ebenso ist es nun auch bei den Freundschaften, welche auf demGebrauch und ans dem Vergnügen beruhen: bei diesen findettheils Gleichheit aus beiden Seiten statt, theils ein Uebergewichtauf einer Seite. Daher auch diejenigen, welche eigentlich Gleich-heit voraussetzen, Vorwürfe erheben, wenn der Nutzen und dasWohlthun nicht gleich ist, und so ist es auch beim Vergnügen.Dieß zeigt sich deutlich bei Liebesverhältnissen; es ist dieß ebender Grund des Haders, welcher so oft zwischen Verliebten vor-kommt. Der Verliebte nemlich macht sich nicht klar, daß dasEntgegenkommen auf beiden Seiten nicht ganz dasselbe ist. Daherdenn der Geliebte glaubt einen Grund zum Streit zu haben:

Wer Liebe fingt, spricht also nicht."

Die Voraussetzung ist eben die, daß beide Theile einander ganzgleich stehen.

Viertes Kapitel.

Von der Freundschaft zwischen Ungleichen.

Es gibt also, wie gesagt, drei Arten von Freundschaft, jenachdem diese beruht auf der Tugend oder auf dem Nutzen oder