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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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weil es schwer ist, über Viele Erfahrungen zu sammeln; manmüßte sa mit jedem Einzelnen Zusammenleben. Und man darfbei Freunden seine Wahl nicht gerade so treffen, wie man beieinem Kleid thut: es scheint freilich in allen Fällen Einsicht zubeweisen, wenn man unter zwei Dingen das bessere wählt undwenn man das geringere schon lange Zeit gebraucht hat, dasbessere aber noch gar nie, so muß man doch das letztere vvrziehen;dagegen wo es sich um Freunde handelt, darf man nicht demalten Freund einen Solchen vorziehen, von dem man noch nichtweiß, ob er besser ist. Ein Freund ist nemlich ohne Erfahrungnicht denkbar, er ist auch nicht das Produkt Eines Tags, sonderner bedarf der Zeit, wcßhalb denn auch der Scheffel Salz sprich-wörtlich geworden ist. Zugleich aber darf der Freund nicht bloßschlechthin gut sein, sondern muß auch für dich gut sein, wenner wirklich dein Freund sein soll. Gut nemlich ist er deßwcgen,weil er schlechthin gut ist, ein Freund aber deßwegen, weil ereinem Andern gut ist; schlechthin gut und zugleich ein Freundist er, wenn dich beides znsammenstimmt, so daß also das, wasschlechthin gut ist, einem Andern nützlich ist, wenn auch dieserletztere nicht schlechthin tugendhaft, sondern nur für den Anderngut ist. Wollte man Viele zu Freunden haben, so wäre dießein Hinderniß der Freundschaft; denn es ist nicht möglich, gegenViele sich zu gleicher Zeit thätig zu erweisen. Hieraus ersiehtman nun, daß mit Recht die Freundschaft als etwas Beständigesbezeichnet wird, wie man der Glückseligkeit die Selbstgenügsamkeitbeilegt. Und es ist ein wahres Wort'):

Bestand hat die Natur allem, nicht Geld und Gut."

Noch viel weniger würde man sagen, die Tugend sei beständig,die Zeit müsse den Freund zeigen und das Unglück mehr alsdas Glück; im Unglück nemlich tritt es an den Tag, daß denFreunden Alles gemeinschaftlich ist; denn diese allein ziehen dem,was von Natur gut und schlecht ist worin doch wesentlich dasGlück und Unglück besteht den Menschen vor und dieser steht

>> Eurip. M. «41.