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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
Seite
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seitiger Werthschätzung besteht. Freund nemlich ist der Gegenstandder Liebe dem Liebenden und Freund ist wieder der Liebende dem,welcher geliebt wird. Diese Art non Freundschaft mm kommtnur unter Menschen vor, denn diese sind einer bewußten Werth-schätzung fähig. Die andern Arten kommen auch bei den Thie-ren vor, und in seinem freilich unbedeutenden Grad findet sichauch das Moment des Nutzens offenbar bei den zahmen Thie-ren in ihrem Verhältniß zum Menschen und zu einander, wiez. B. nach Herodot") der Strandlänfer der Freund des Kroko-dils ist, und wie die Vogelschauer von Beieinander- und Ans-einandersitzen der Vögel sprechen. Was sodann die Schlechtenbetrifft, so können diese Freunde von einander sein auf Grunddes Nutzens und des Vergnügens. Nun sagen wohl Manche,das sei keine Freundschaft, weil es nicht die erste sei, denn dieSchlechten würden ja einander unrecht thnn, diejenigen aber,welchen unrecht gethan werde, empfinden kein Gefühl der Freund-schaft. Allein Freundschaft ist hier wohl vorhanden, wenn auchnicht die erste Art, denn die andern Arten können ja wohl vor-handen sein; denn um der Lust willen lassen sie sich gegenseitigbeschädigen, wie z. B. wenn sie unmäßig sind.

Es scheint nun ferner, daß auch die Freundschaft, welcheauf der Lust beruht, keine Freundschaft sei, wenn mau die Sachegenau untersucht, weil es nemlich nicht die Freundschaft ersterArt ist; denn diese letztere ist beständig, während die ersterc un-beständig ist; allein es ist, wie gesagt, doch eine Freundschaft,nur nicht diejenige erster Art, sondern eine von dieser abgeleitete.Wollte man nun die Freundschaft erster Art als Freundschaftbezeichnen, so hieße dieß der täglichen Erfahrung Gewalt authunund man käme dabei nothwendig auf ganz absonderliche Behaup-tungen; alle Arten aber unter Einen Begriff zusammenzufasse»,ist ebenfalls unmöglich. So bleibt also nur der Ausweg übrig,daß man sagt: in gewissem Sinn ist allerdings die erste Freund-schaft die einzige, in gewissem Sinn aber sind alle Arten Frenud-schaften, sie sind weder homonym ^), noch stehen sie in einem ganz

>) u, es.

2) Nur dem Namen nach gleich,