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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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den. Alles dieß ist zu den verschiedenen Arten der leidenschaft-lichen Zustände, der Affekte zu rechnen; denn überall findet sichdarin ein Affekt. Weil diese Eigenschaften auf natürlicher An-lage beruhen, so gehören sie in das Gebiet der natürlichen Tu-genden; es ist ncmlich, wie dieß später gezeigt werden wird "hjede solche Eigenschaft in gewissem Sinn eine Tugend sowohl vonNatur, als in anderer Beziehung in Verbindung mit der Klug-heit. So gehört der Neid auf die Seite der Ungerechtigkeit, so-fern die vom Neid ausgehenden Handlungen gegen einen anderngerichtet sind, das Gefühl für Vergeltung gehört zur Gerechtigkeit,die Schamhaftigkeit gehört zur Selbstbeherrschung, weßhalb mandie letztere auch hieher rechnet. Der Wahrhaftige und der Lüg-ner stellen sich dar als verständig, resp. unverständig. Es bildetaber die Mitte zu dem Extremeren einen volleren Gegensatz, alsdie Extreme selbst gegen einander, weil die Mitte sich nie unmit-telbar mit einem Extrem verbindet, während diese selbst oft miteinander verbunden sind; so gibt cs Leute, welche verwegen undfeig zugleich sind, Poltrons, welche einerseits verschwenderisch,andrerseits geizig sind, überhaupt solche, welche in verkehrter Weiseungleich sind. Ist diese Ungleichheit die richtige, so erhält mandas mittlere Verhalten, in welchem gewissermaßen die Extremeaufgehoben sind. Doch könnte man glauben, daß die entgegen-gesetzten Bestimmungen im Verhältniß zur Mitte den Extremennicht immer in gleicher Weise zukommen, sondern daß bald dasZuviel, bald das Zuwenig überwiege. Dieß erklärt sich ausden beiden oben angegebenen Momenten?): einmal aus dem sel-tenen Vorkommen gewisser Bestimmungen, wie z. B. der Unem-pfindlichkeit gegenüber dem Angenehmen, sodann daraus, daß dasExtrem, zu welchem wir uns mehr Hinneigen, schärfer als Gegen-satz hervortritt. Ein dritter Grund ist noch der, daß das Aehn-lichere weniger entgegengesetzt zu sein scheint, was z. B. der Fallist bei der Verwegenheit im Verhältniß zum Muth, bei der Ver-schwendung im Verhältniß zur Freigebigkeit.

>) v. is.

-) II. s.