Erstes Buch.
Erstes Kapitel.
Frage nach dem Wesen der Glückseligkeit. Ueber das Wesen und dieElemente derselben sind die Ansichten vielfach getheilt.
In Delos hat Einer am Tempel des Gottes auf die Vor-halle des Lctoheiligthums seine Ansicht eingeschrieben über dasVerhältniß des Guten, des Schönen und des Angenehmen zueinander; er hat diese von einander getrennt in der Meinung,daß sie nicht alle Einem und demselben zukommen. Der Verslautet nemlich so:
Schöner ist nichts als das Rechte; bas Beste jedoch die Gesundheit,
Aber der Gipfel der Lust ist des Begehrten Besitz.
Wir sind nicht gesonnen, dich zuzugeben; denn die Glückseligkeitist das schönste und beste von allem und damit auch das, wasdie meiste Lust in sich schließt. Unter den vielen Fragen nun,welche auf jedes einzelne Ding und aus sein specifischcs Wesensich beziehen und welche der Bedenken, die sie enthalten, einernäheren Untersuchung bedürfen, beziehen sich die einen lediglichauf das Erkennen, andere aber auch auf den Besitz und die Aus-führung der Sache. Was nun die echteren, der theoretischen Phi-losophie ungehörigen Fragen betrifft, so müssen wir die Erörte-rung an den Ort verweisen, wohin sie gehören; dieß ist ja einVerfahren, welches in unserer Methode begründet ist. So habenwir zunächst die Frage näher zu untersuchen, worin das glück-selige Leben besteht und wie es zu gewinnen ist, ob nemlich die-