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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Neunte« Buch.

ner Neigung nur um des Genusses willen liebt, der letztere dagegenin dem Verhältnisse zu seinem Liebhaber nur seinen Vortheil sucht,und beide dann diese Dinge nicht zu gewähren vermögen. Denn wodies die Motive der Freundschaft sind, da erfolgt die Auflösung der-selben, sobald dasjenige, weßwegen sie einander liebten, nicht erreichtwird. Denn sie liebten ja nicht einer des andern Selbst, sondernnur etwas was sie besaßen, und zwar etwas was nicht bleibend ist,daher denn auch die darauf bafirte Freundschaft ebenso vergänglichsein muß, während dagegen die auf sittlicher Basis ruhende Freund-schaft , wie früher gesagt , weil um ihrer selbst willen geknüpft,dauerhaft ist.

L. Ferner gerathen Freunde auch in Zwiespalt, wenn das, wasdem Einen von dem Andern geleistet wird, verschieden ist von dem,was erwartet wurde. Denn wenn Einer nicht das erhält, was erbegehrt, so ist es ihm fast so, als erhielte er gar nichts. So z. B.enttäuschte in der bekannten Anekdote ein gewisser Jemand denCithervirtuosen, dem er große Dinge versprach und seinen Lohn indem Maße zu steigern verhieß, je besser er fingen würde, als er ihmTags daraus, da derselbe die Erfüllung der ihm gemachten Ver-sprechungen forderte, zur Antwort gab: er habe ihm bereits mitVergnügen für Vergnügen bezahlt^). Freilich, wenn jeder vondiesen beiden dies gedacht und gewollt hätte, dann hätte die Sacheschon ihre Richtigkeit gehabt; wenn aber der Eine an Genuß, derAndere an Geldgewinn dachte, und somit der Eine das, was erwollte, hat, der Andere dagegen nicht, so dürfte ihre geschlosseneNcbereinkunft schwerlich in Ordnung sein. Denn nur aus das, was

") S. VIII, Kap. 3, §. 6, 7; Kap. 4, §. I.

5) Es war ein gekrönter Witzbold, der sich mit dem armen Virtuosendiesen sehr unköniglichen ,,Wih" erlaubte, das sehen wir an« der Endein.Ethik <VIII, Kap. 10, p. >243 I>, 24 27 Bekk); und so mag e« denn immer-hin, wenn es nicht Alexander selbst gewesen sein soll, der arglistige Dionys vonSyrakus gewesen sein, von dem auch Plutarch in seiner Schrift von dem Glückoder der Tugend Alexanders <TH. VII, p. 3>8Neisk.) dieselbe Anekdote erzählt.Aehnliche Anekdoten von AugustuS (s. Macrob. Saturnal. II, Kap. 41 undandern Potentaten findet man in den Commcntaren von CamerariuS und Mu>retuS zu unserer Stelle.