Druckschrift 
1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
Seite
279
Einzelbild herunterladen
 

Drittes Kapitel.

279

sel des Lebensalters wird auch das Angenehme ein anderes. Daherwerden junge Leute sehr schnell Freunde, und hören ebenso schnellaus Freunde zu sein, denn mit der Veränderung dessen, was ihnenLust gewährt, schlägt auch zugleich ihre Freundschaft um; und das, .was.ihnen Lust gewährt, ändert sich rasch. Auch zum Vergnügenfind junge Leute sehr geneigt; denn die Geschlechtsliebe beruht inden meisten Fällen auf Leidenschaft, und ihr Zweck ist sinnliche Lust.Daher lieben und erkalten sie schnell, ja sie fallen oft an demselbenTage von Einem ins Andere. Doch sind sie cs vorzugsweise, dietäglich zusammen zu sein und zusammen zu leben verlangen, dennnur in solchem täglichen Umgänge erreichen sie, was sie von derFreundschaft wollen.

6. Vollkommen dagegen ist die Freundschaft der Guten und an Kap.Tugend einander Achnlichen; denn diese wünschen einander gleich-B-ii.mäßig alles Gute, insofern sie auch gut sind; gut aber ist man anund für sich 6). Die, welche ihren Freunden das Gute um ihrer(der Freunde) willen wünschen, sind vorzugsweise Freunde, denn

ihr Verhältniß gründet sich auf ihre Beschaffenheit an sich und nichtauf irgend welche Zufälligkeiten. Die Dauer ihrer Freundschaftwährt daher auch so lange, als sie selbst gut find, und die Tugendist etwas Dauerhaftes. Zugleich ist in solchem Freundschaftsverhält-nisse jeder von beiden an und für sich wahrhaft gut, und somit auchfür seinen Freund; denn Menschen, die wirklich gut sind, sind esebensowohl an und für sich, als auch für einander. So auch nützlich^);und ebenso auch angenehm, denn die Guten sind sowohl an und fürsich angenehm, als auch für einander. Denn einem jeden Menschenmachen diejenigen Handlungen Vergnügen, die seinem Wesen ver-wandt und ähnlich sind 2), und die Handlungen der Guten sindgleichartig oder ähnlich.

7. Diese Art von Freundschaft ist selbstverständlich dauerhafter

6) O. h. ohne Rücksicht auf äußere Vorzüge. Biese.

7) Ich übersehe nach der Lesart des Loilcx karisions. bei Bekker und nachArgyropuloS' lat. Nebersehung. BekkerS Text ist unrichtig und dem Gedanken-gange widersprechend.

2) S. oben I, Kap. 8, §. >2 u. IX, Kap. S, §. 5.