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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Aristoteles, Nikomachische Ethik.

unserer Untersuchung zu Grunde. 4. Es verhält sich nämlichmit den Fertigkeiten nicht ebenso, wie mit den Wissenschaften undVermögen, Vermögen nämlich und Wissenschaft begreifen jedesmaldie Gegensätze unter sich, die Fertigkeit aber in einem Gegensätzebegreift nicht auch den andern in sich^; z. B. infolge der Gesund-heit werden nicht auch die entgegengesetzten Verrichtungen gethan,sondern nur die gesunden. Wir sprechen nämlich von einemge-sunden Gange", wenn der Mensch geht, wie ein Mensch im ge-sunden Zustande gehen muß. ^

5. In vielen Fällen wird von zwei entgegengesetzten Fertig-keiten die eine aus der anderen erkannt, in vielen anderen dagegenerkennt man die Fertigkeit aus den unter ihr befaßten Dingen.Ist es z. B. klar, welches die Wohlbeschaffenheit einer Sache ist,so wird daraus auch die Mißbeschaffenheit derselben erhellen, wieaus dem, was zur Wohlbeschaffenheit beiträgt, die Wohlbeschaffen-heit und aus dieser das, was zur Wohlbeschaffenheit beiträgt.Wenn z. B. die Wohlbeschaffenheit in der Fertigkeit des Fleischesbesteht, so muß notwendig wieder die Mißbeschaffenheit in derWelkheit des Fleisches bestehen, und das die WohlbeschaffenheitBewirkende muß das sein, was Festigkeit im Fleische zu erzeugengeschickt ist. 6. In den meisten Fällen ist damit noch verbunden,daß wenn von zwei entgegengesetzten Fertigkeiten (Habitus) dieeine sprachlich in mehrerlei Bedeutung gebraucht wird, auch dieandere in solcher mehrfachen Bedeutung gebraucht wird, also z. B.wenn dies mit dem Wortegerecht" geschieht, es auch mit demWorteungerecht" geschieht.

Kap. 7. Nun scheinen aber in der That die BegriffeGerechtigkeit"und Ungerechtigkeit in mehr als einer Bedeutung gebraucht zuwerden, allein weil ihre Synonymste sehr nahe verwandt ist, wirdder Unterschied nicht so leicht bemerkt und springt nicht so wie bei

2. D. h. die Wissenschaft einer Sache, das Vermögen, etwas zu thun,ist zugleich die Wissenschaft ihres Entgegengesetzten, das Vermögen auchdas Entgegengesetzte zu thun. Vgl. Aristoteles, Metaphysik UI, Kap. 2,§ 1 und daselbst die Anmerkung von Schwegler, T. III, S. 119.

3. Die Gesundheit ist eine d. h. ein Habitus, eine Fertig-keit des Körpers.