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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
Seite
89
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Drittes Buch. Fünftes Kapitel.

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bald sie cs aber einmal geworden sind, steht es nicht mehr bei.ihnen, es nicht zu sein.

15. Allein nicht bloß die Schlechtigkeiten der Seele sindfreiwillige, sondern bei manchen Menschen auch die des Körpers,und diese Menschen tadeln wir denn auch. Denn die von NaturEntstellten tadelt niemand, wohl aber die, welche es durch ver-säumteLeibesübung und durch Vernachlässigung ihrcsKörpers sind.Und ebenso ist es auch mit Schwächlichkeit und Verstümmelung.Kein Mensch wird sich einfallen lassen, einen, der von Natur oderinfolge einer Krankheit oder eines Schlages blind ist, zu tadeln,sondern jeder wird einen solchen vielmehr bemitleiden. Dagegenden, dessen Blindheit Folge von Trunksucht oder anderer Aus-schweifung ist, wird jedermann tadeln. 16. Also: von denkörperlichen Gebrechen werden die, welche von uns abhangen, ge-tadelt, dagegen die, welche nicht von uns abhangen, nicht. Ist demalso, so kann man sagen, daß auch von allen anderen Gebrechenalle diejenigen, welche im Leben Tadel trifft, von uns abhangen.

17. Nun könnte aber jemand sagen:Alle Menschen strebendoch nach dem, was ihnen als das Gute erscheint; aber sie sindnichtHerrüber diese ihre Vorstellungsweise, sondernjenachdem einerso oder so beschaffen ist, ist auch das Ziel so oder so beschaffen, dasihm als erstrebenswert erscheint. Freilich wenn jeder Mensch aufdie eine oder die andere Weise die Ursache seiner Beschaffenheit ist,so wird er auch auf die eine oder die andereWeise selbst dieUrsacheseiner Vorstcllungsweise sein; ist aber das erstere nicht der Fall, soist kein Mensch vor seinemBewußtsein schuld an demBösen, was erthut, sondern er thut es aus Unwissenheit über sein wahres Ziel,weil er meint, durch solches Handeln das für ihn selbst Beste zu er-reichen. Ferner ist das Begehren nach dem Ziele kein Gegenstandseiner Wahl, sondern jeder muß dazu geboren und gleichsam miteiner Sehkraft ausgestattet sein, vermittelst deren er befähigt wird,richtig zu unterscheiden und das in Wahrheit Gute für sich zuwählen. Auch bezeichnet ja unsere Sprache mit dem Worte w o h l-genaturt einen solchen, der dieseGabe vonNatur inVollkommen-heit besitzt und das Wort ist gut gewühlt, denn einsolchcrwird